15. Mai: Internationaler Tag der Familie

So wichtig jungen Menschen die Familie ist, so schwer fällt es der „überforderten Generation“ heute, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Dies zeigten Forscher der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der 15. Mai als internationaler Tag der Familie erinnert an die Bedeutung der Familie als wichtigste Grundeinheit jeder Gesellschaft: In der Familie erfahren Kinder und Jugendliche, aber auch deren Eltern, Geborgenheit und Liebe – und lernen, Gemeinschaft zu leben und Rücksicht zu nehmen. Nach wie vor besteht der Wunsch nach lebenslangen Beziehungen und Familie. Allerdings fällt es in der heutigen Wissensgesellschaft zunehmend schwerer, diesen mit den beruflichen Lebensverläufen in Einklang zu bringen.

Rushhour des Lebens

Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin zeigten in einer aktuellen Untersuchung anhand der Daten des Mikrozensus, wie sich Lebensläufe seit den 1970er-Jahren verändert haben. Die sogenannte „überforderte Generation“ muss heute in der Zeitspanne zwischen dem 28. und dem 35. Lebensjahr die beiden zentralen Lebensanforderungen von beruflicher Integration und Familiengründung zeitgleich bewältigen – während diese Lebensentscheidungen von ihren Eltern als kontinuierliches Nacheinander erlebt wurden. Grund ist unter anderem die deutliche Verzögerung der ökonomischen Selbstständigkeit durch längere Ausbildungszeiten und den unsicheren Einstieg in eine flexibilisierte Arbeitswelt mit prekären Arbeitsverhältnissen. Zudem ist nach Ansicht der Wissenschaftler die Zeit für den Aufbau von Beziehungen aufgrund der erhöhten Anforderungen und Mobilitätserwartungen der Berufswelt knapper geworden – was dazu führt, dass Beziehungen oft erst nach dem 30. Lebensjahr auf eine gemeinsame Zukunft führen.

Aushandeln der Rollenteilung

Eine weitere Herausforderung für die Partner birgt das Aushandeln der Rollen innerhalb der Familie. Gab es in der Elterngeneration noch ein Modell der klaren innerfamiliären Arbeitsteilung, wird dieses heute abgelehnt – ohne jedoch durch ein neues Vorbild ersetzt worden zu sein. Entsprechend muss in jeder Partnerschaft die Rollenteilung individuell ausgehandelt werden. Meist muss ein Elternteil – oft ist es weiterhin die Mutter – seine Präsenz am Arbeitsmarkt einschränken und entsprechend langfristige berufliche Benachteiligungen in Kauf nehmen.

Literatur

Bertram, H. & Deuflhard, C. (2015): Die überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft. Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.

15. Mai 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, AOK-Gesundheitskasse
Foto © Serhiy Kobyakov – Fotolia.com

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