Ängstlichkeit beeinträchtigt das Lernverhalten

Eine Studie des Leibniz-Instituts für Neurobiologie untersuchte den Zusammenhang zwischen der individuellen Ängstlichkeit einer Person und deren Lernverhalten.

Angst ist eine sinnvolle menschliche Grundemotion, die uns hilft, uns vor Gefahren zu schützen. Menschen unterscheiden sich jedoch in ihrer Neigung, Situationen als gefährlich wahrzunehmen und mit Angst zu reagieren. Eine hohe Ängstlichkeit kann dazu führen, dass die Betroffenen zu häufig und an den falschen Stellen Angst empfinden. Wie sich Ängstlichkeit auch auf das Lernverhalten auswirkt, untersuchten nun Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg zusammen mit Kollegen des John Radcliffe Hospital Oxford (Großbritannien).

Wechselnde Umgebungsmerkmale

In der entsprechenden Studie beantworteten 31 Probanden im Alter von 18 bis 40 Jahren zunächst Fragen zu ihrer individuellen Ängstlichkeit. Anschließend absolvierten die Teilnehmer ein Lernexperiment. Ihre Aufgabe war es, herauszufinden, welches von zwei auf einem Bildschirm gezeigten Objekten mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem leichten Elektroschock führen würde. Die Schwierigkeit dabei: Diese Wahrscheinlichkeit war nur in einer stabilen Umgebung konstant. Die Bedingungen änderten sich jedoch im Laufe des Versuchs immer wieder.

Beeinträchtigung der Lernrate

Mit Hilfe mathematischer Modellierungen konnten die Forscher nachweisen, dass die Anpassung der Lernrate bei den ängstlicheren Probanden beeinträchtigt war: Ihnen fiel es schwerer, sich umzustellen, wenn es einen Wechsel von einer stabilen auf eine instabile Umgebung (oder um umgekehrt) gab.

Die Wissenschaftler werteten zudem die Änderung des Pupillendurchmessers ihrer Probanden während des Experiments aus. Es wird angenommen, dass schnelle Änderungen des Durchmessers mit Aktivierungssystemen im Gehirn sowie mit der Ausschüttung des Neurotransmitters Noradrenalin zusammenhängen. Tatsächlich zeigte sich bei den ängstlicheren Probanden eine verminderte Reaktivität der Pupille.

Teufelskreis der Angst

Die Wissenschaftler nehmen an, dass die verminderte Fähigkeit, sich an verändernde Umwelten anzupassen, zum Teufelskreis der Angst beiträgt: Betroffene meiden ambivalente oder mit Unsicherheit behaftete Situationen, was ihre Ängstlichkeit eher noch verstärkt oder zumindest aufrecht erhält.

Literatur

Browning, M., Behrens, T. E., Jocham, G., O'Reilly, J. X. & Bishop, S. J. (2015). Anxious individuals have difficulty learning the causal statistics of aversive environments. Nature Neuroscience, 18, 590-596.

30. April 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Ina Jungbluth


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