Ambulanz für Menschen mit sexuellen Gewaltfantasien

Experten des Arbeitsbereichs Klinische Psychologie und Sexualmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) starten ein neues Forschungs- und Behandlungsangebot.

Aktuellen Studien zufolge wird in Europa jede zwanzigste Frau im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung. Dabei existiert ein erhebliches Dunkelfeld: Man geht davon aus, dass sich in Deutschland im Falle sexueller Gewalt weniger als zehn Prozent der Frauen an die Polizei wenden; nur drei bis vier Prozent der Fälle werden zur Anzeige gebracht. Ein neues Projekt von Psychotherapeuten und Forschern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) will Menschen mit sexuellen Gewaltfantasien erreichen – und so Übergriffen präventiv vorbeugen.

Sexuelle Gewalt verhindern


"Sexuelle Übergriffe passieren nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel", erklärt Professor Dr. Uwe Hartmann, Psychologischer Psychotherapeut und Sexualwissenschaftler. Es gebe einen Vorlauf in der Seele und der Sexualität des Täters. Gemeinsam mit seinem Team vom Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Sexualmedizin entwickelte er ein Programm zur Prävention und Behandlung dysregulierter Sexualität. Es richtet sich an Menschen, die fürchten, ihre sexuellen Impulse nicht mehr kontrollieren zu können. Dazu gehören neben dem exzessiven Konsum von Pornografie auch sexuelle Gewaltfantasien und sexuelle Übergriffe auf Frauen.

Behandlungsangebot für tatgefährdete Personen


Unter dem Motto "Tatprävention ist der beste Opferschutz" erhalten Betroffene anonym und kostenlos therapeutische Hilfe unter Schweigepflicht. Die angebotene Therapie kombiniert psychotherapeutische und sexualmedizinische Ansätze und bietet die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Unterstützung. Ziel ist es, die Patienten in die Lage zu versetzen, ihre Sexualität besser zu regulieren. Voraussetzung für die Aufnahme in das Behandlungsprogramm ist, dass gegen die Betroffenen kein Ermittlungs- oder Strafverfahren vorliegt.

Wissenschaftliche Begleitung

Um die Hintergründe der sexuellen Fantasien und Impulse besser zu verstehen, werden die Patienten auf freiwilliger Basis parallel zum Therapieangebot wissenschaftlich begleitet und untersucht.

25. April 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Ina Jungbluth

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