Amokexpertin sieht Präventionsmöglichkeiten bei zielgerichteter Schulgewalt

Bei einem Workshop an der SRH Hochschule Heidelberg hat die Psychologin Dr. Rebecca Bondü von der Ruhr-Universität in Bochum auf den hohen Bedarf an Amokforschung verwiesen und Präventionsmöglichkeiten beschrieben. Das Thema sei längst zu einem globalen Phänomen geworden. Rund 200 Amokläufe weltweit soll es in den letzten vier Jahrzehnten gegeben haben. Die Expertin ist überzeugt davon, dass diese in vielen Fällen hätten verhindert werden können. Denn im Gegensatz zu anderen Gewalttaten sind Amokläufe keine Affekthandlungen, sondern von langer Hand geplant. 

Bei der Prävention setzt sie deshalb auf die Bedeutung von Leakings: „Das sind für Amokläufe spezifische Warnhinweise, bei denen ein Täter seine Tötungsabsicht bereits im Vorfeld durchsickern lässt. Das kann eine offene Ankündigung sein oder das zunehmende Interesse an gewaltbezogenen Themen. Die Warnhinweise treten meist schon sehr früh auf. Werden sie rechtzeitig wahrgenommen, könnten auffällige Personen identifiziert und die Taten verhindert werden.“

Prof. Dr. Denis Köhler, Dekan im Studiengang Bildung und Erziehung in der Kindheit an der SRH Hochschule Heidelberg, unternahm bei dem Workshop einen ersten Erklärungsversuch zu den Ursachen jugendlicher Gewaltbereitschaft: „Meistens ist es eine Kombination von Umwelteinflüssen und biologischer Veranlagung. In welchem sozialen Umfeld wächst das Kind auf und gibt es feste, familiäre Strukturen? Hinzu kommen psychische Belastungen oder aber auch genetische Veranlagungen wie beispielsweise Impulsivität.“
 
 Präventionsmaßnahmen wie das Stärken sozialer Kompetenzen müssten laut Köhler möglichst früh ansetzen. Je weiter das Kind in seiner negativen Entwicklungsstufe fortgeschritten ist, umso schwieriger gestaltet sich die Arbeit mit dem Jugendlichen: „Gewalt ist eine Negativspirale, die sich immer weiter dreht. Wenn ein Kind bereits im Kindergarten durch aggressives Verhalten auffällt, kann sich das bis ins Erwachsenenalter verfestigen.“

29. Juli 2011
 Quelle: Informationsdienst Wissenschaft