Angst lässt Spinnen größer wirken

Menschen mit einer Arachnophobie nehmen Spinnentiere größer wahr als gesunde Personen. Diese verzerrte Wahrnehmung lässt sich jedoch durch Exposition korrigieren, wie Forscher der Universitäten Regensburg und Würzburg nun nachwiesen.

Phobien sind die häufigste Form von Angststörungen. Sie sind gekennzeichnet durch eine irrationale Furcht vor bestimmten Objekten oder Situationen. So kann bereits die Vorstellung der Konfrontation mit einer Spinne bei Menschen mit Spinnenphobie (Arachnophobie) ein Angstgefühl von lähmender Intensität auslösen. Eine Hypothese zur Ursache der übermäßigen Reaktion besagt, dass bei den Betroffenen angstbezogene visuelle Reize nicht angemessen verarbeitet werden. Wissenschaftler der Universitäten Regensburg und Würzburg untersuchten nun zusammen mit Kollegen der Brown University (USA), inwiefern sich diese Annahme bei Betroffenen bestätigen lässt.

Einschätzung der Größe von Spinnentieren

Sie ließen insgesamt 41 Patienten mit Spinnenangst sowie 20 gesunde Probanden die Größe von Spinnen einschätzen – und zwar vor und nach einer Expositionsbehandlung. Bei dieser Therapieform werden Personen, die beispielsweise an Höhenangst oder eben Spinnenphobie leiden, in einer sicheren Umgebung wiederholt mit dem angstauslösenden Objekt oder der entsprechenden Situation konfrontiert. Ziel ist es, einen Lernprozess in Gang zu setzen, der den Betroffenen verdeutlicht, dass die Situation für sie harmlos ist.

Korrektur der verzerrten Einschätzung durch Exposition

Tatsächlich bestätigte sich in dem Versuch, dass die Arachnophobiker die Tiere vor der Behandlung als deutlich größer einschätzten als die gesunden Versuchsteilnehmer. Diese Verzerrung der Größeneinschätzung verringerte sich jedoch im Verlauf der Expositionsbehandlung deutlich. Nach der Behandlung konnten keine Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsgruppen mehr festgestellt werden. Die Beobachtungen der Wissenschaftler bestätigen damit die Annahme, dass Patienten mit einer Phobie angstbezogene visuelle Informationen generell anders verarbeiten als gesunde Menschen. Sie zeigen aber auch, wie wirksam sich die Verzerrungen korrigieren lassen, wenn sich die Betroffenen ihren Ängsten im Rahmen einer Expositionstherapie stellen.

Literatur

Shiban, Y., Fruth, M.B., Pauli, P., Kinateder, M., Reichenberger, J. & Mühlberger, A. (in press). Treatment effect on biases in size estimation in spider phobia [Abstract]. Biological Psychology.

26. April 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Andreas Ruider


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