Angst morgens effektiver behandeln

Psychologen der Universität des Saarlandes zeigten in einer aktuellen Studie, dass sich eine Spinnenphobie am Morgen besser behandeln lässt als am Abend.

Gerade im Sommer kriecht und krabbelt es überall und nicht selten verirrt sich auch einmal ein langbeiniges Insekt in die Wohnräume. Schwierig für Menschen, die unter einer Spinnenphobie leiden, und derartige angstbesetzte – wenn auch ungefährliche – Situationen lieber vermeiden würden. Für all jene, die sich zu einer Therapie ihrer Angststörung entscheiden, haben Psychologen der Universität des Saarlandes nun einen wertvollen Rat.

Die Wissenschaftler der Abteilung „Klinische Psychologie und Psychotherapie“ ließen insgesamt 60 Patienten mit Spinnenphobie jeweils eine dreistündige Therapiesitzung durchlaufen. Dabei wurden 30 Teilnehmer zwischen 8 und 11 Uhr morgens, die anderen hingegen von 18 bis 21 Uhr abends behandelt. Alle Versuchspersonen hatten sich zuvor als chronobiologische „Mischtypen“ beschrieben: Sie waren also weder extreme „Morgentypen“ noch extreme „Abendtypen“.

Nachhaltiges Lernen am Morgen…


Wie stark sich die Spinnenphobie aufgrund der Behandlung gebessert hatte, überprüften die Psychologen bei allen Patienten nach einer Woche sowie erneut nach drei Monaten. Neben einem Fragebogen zur Spinnenangst setzten sie einen Verhaltenstest ein, bei dem erfasst wird, wie weit sich Betroffene einer Spinne nähern können. Zusätzlich wurde der Cortisol-Spiegel aller Patienten mittels Speichelproben erhoben.

Es zeigte sich, dass die einmalige Behandlung der Phobie generell einen positiven Effekt hatte: Während einige Patienten vor der Therapie nicht einmal den Raum, in dem sich die Spinne befand, betreten konnten, waren viele nach der Therapie in der Lage, das Terrarium zu öffnen und die Spinne sogar auf die Hand zu nehmen. Erkennbar war jedoch auch, dass der Behandlungseffekt bei den Patienten mit Morgentherapie sowohl nach einer Woche als auch drei Monate später deutlich höher war.

… gefördert durch das körpereigene Hormon Cortisol

Die Wissenschaftler nehmen an, dass der gefundene Effekt auf den Cortisol-Spiegel des Menschen am Morgen zurückzuführen ist. Cortisol wird morgen in viel größeren Mengen ausgeschüttet als am Abend. Dabei wirkt das körpereigene Hormon verstärkend auf Lern- und Gedächtnisprozesse – eine günstige Voraussetzung für eine Psychotherapie, die an sich nichts anderes ist als ein Lernprozess.

In weiteren Studien wollen die Psychologen untersuchen, ob sich der Effekt auch bei der Behandlung komplexerer psychischer Störungen – wie der sozialen Phobie oder der Panikstörung – zeigt.

Literatur
Lass-Hennemann, J. & Michael, T. (2014). Endogenous cortisol levels influence exposure therapy in spider phobia. Behaviour Research and Therapy, 60, 39-45.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Tanja Michael


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