Angst vor Grippe-Viren

Wie eine Person sich vor möglichen Gesundheitsgefahren schützt, hängt von der individuellen Risikowahrnehmung ab. Psychologen der Universität Konstanz untersuchten die Reaktion des Gehirns auf neue gesundheitliche Risiken.

Im Zusammenhang mit neuen und möglicherweise katastrophalen Gesundheitsgefahren wie etwa BSE, der Vogel- oder der Schweinegrippe, traten in den vergangenen Jahren immer wieder regelrechte Wellen der Angst auf. Die Medien spielten bei der Risikokommunikation eine entscheidende Rolle. Doch wie genau wirken Beiträge in den Medien auf die Zusehenden? Und wie hängt ihre Verarbeitung von der bereits bestehenden, individuellen Risikowahrnehmung ab? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Psychologen der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit der Princeton University (USA) in einer aktuellen Studie.
Im Rahmen ihres Experiments zeigte das Team den Versuchsteilnehmern eine Fernsehdokumentation über den Influenza-A-Virus H1N1 – auch bekannt als Schweinegrippe. Zuvor waren die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt worden: Eine Gruppe von Personen, die mit der Schweinegrippe ein hohes Risiko verbanden, und eine zweite Gruppe, deren Mitglieder den Virus nicht als solch hohes Risiko wahrnahmen.
Während des Films zeichneten die Wissenschaftler die Hirnaktivitäten der Probanden mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT) auf. Die Auswertung der erfassten MRT-Daten erfolgte anschließend nach einer speziellen Analysemethode, wobei für jede einzelne Hirnregion die Übereinstimmung der Aktivitätsverläufe zwischen den Zusehenden ermittelt wurde.
Deutliche Verarbeitungsunterschiede zeigten sich vor allem im sogenannten anterioren Cingulum, einer Hirnregion, die in Verbindung gebracht wird mit emotionaler Verarbeitung von Reizen, mit Selbstrelevanz und antizipatorischer Ängstlichkeit: Bei den Zusehenden mit hoher Risikowahrnehmung war eine deutlich größere Ähnlichkeit in der Reaktion festzustellen – während die Vergleichsgruppe mit niedriger Risikowahrnehmung viel heterogener den Film reagierte.
Die Wissenschaftler schließen aus diesem Befund, dass die Verarbeitung im anterioren Cingulum nicht ausschließlich reizgetrieben funktioniere, sondern von der individuellen Risikowahrnehmung abhänge. Sie vermuten, dass sich Menschen mit hoher Risikowahrnehmung stärker emotional mit gesundheitsrelevanten Botschaften in Medien beschäftigen und möglicherweise auch generell mehr mit risikobezogenen Informationen befassen.
Von ihren Ergebnissen erhoffen sich die Psychologen neue Möglichkeiten sowohl für die Erforschung der Risikokommunikation als auch für die Gesundheitspsychologie, in der Risikowahrnehmung als Katalysator für Schutzverhalten gilt.

Literatur
Schmälzle, R., Häcker, F., Renner, B., Honey, C. J. & Schupp, H. (2013). Neural correlates of risk perception during real-life risk communication. The Journal of Neuroscience, 33 (25), 10340-10347.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Epidemia de Pánico / Panic Epidemy / Eneas De Troya, Eneas / flickr.com unter CC BY 2.0


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