Angst vor Krankheit

Menschen mit Hypochondrie neigen zu einer Überbewertung von Symptomen – aber nur, wenn es um schwerwiegende Erkrankungen geht. Psychologen der Goethe-Universität in Frankfurt am Main untersuchten Personen mit Krankheitsängsten.

Sich gelegentlich um seine Gesundheit zu sorgen, ist normal und lässt Psychologen noch nicht aufhorchen. Bei manchen Menschen geht aber die Angst vor Krankheiten so weit, dass sie sich nahezu jeden Tag damit beschäftigen, ob sie ernsthaft krank sind – ohne dass ein objektiver Befund vorliegt. Diese besonders ausgeprägte Form der Krankheitsangst bezeichnen Wissenschaftler als Hypochondrie.
In früheren Untersuchungen hatte sich gezeigt, dass die meisten Hypochonder Angst vor gravierenden Krankheiten wie Krebs, Herzerkrankungen oder Multiple Sklerose haben. Die Betroffenen unternehmen erhebliche Anstrengungen, um ihre Ängste wieder loszuwerden. Sie suchen beispielsweise im Internet nach Informationen, um eigene Beschwerden adäquat einschätzen zu können, oder gehen häufiger als andere zum Arzt. Diese Bemühungen führen jedoch in den meisten Fällen dazu, dass sich die Betroffenen noch mehr mit dem Thema Krankheit beschäftigen und ihre Ängste langfristig zunehmen.
Psychologen der Goethe-Universität in Frankfurt am Main gingen nun der Frage nach, worin sich Menschen mit Krankheitsängsten von anderen Personen unterscheiden. Im Rahmen ihrer Untersuchung konfrontierten sie Patienten mit Hypochondrie, Patienten mit Angststörungen und gesunde Probanden mit Symptombeschreibungen wie „Klara hat seit zwei Wochen starke Kopfschmerzen, die nicht weggehen“.
Es zeigte sich, dass Personen mit Krankheitsängsten am ehesten geneigt waren, hinter den Symptomen eine ernsthafte Erkrankung, wie zum Beispiel einen Hirntumor, zu vermuten. Dieses Ergebnis ließ sich nicht durch eine allgemeine Ängstlichkeit der Teilnehmer erklären: Denn Probanden mit anderen Ängsten schätzten die Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Krankheit zwar höher ein als die unbelastete Kontrollgruppe, jedoch längst nicht so hoch wie Personen mit Krankheitsängsten.
Interessanterweise fanden sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen, wenn die Probanden mit Einschätzungen konfrontiert wurden, die auf weniger gravierende Krankheiten hindeuteten. Wurde den Versuchspersonen beispielsweise eine Muskelzerrung als Ursache für ein Engegefühl in der Brust vorgeschlagen, hielten Personen mit ausgeprägten Krankheitsängsten und nicht vorbelastete Probanden diese Möglichkeit für ähnlich wahrscheinlich.
Personen mit Krankheitsängsten neigen folglich nicht generell zu einer Fehlbewertung von Symptomen – sondern nur dann, wenn es um schwerwiegende Krankheiten geht.
In ihrer weiteren Forschung wollen die Frankfurter Wissenschaftler nun untersuchen, ob die negativen Bewertungen von Symptomen, wie sie Menschen mit Hypochondrie vornehmen, auch von Personen mit Panikstörung getroffen werden. Diese Personen leiden unter unerwarteten Angstanfällen, die einhergehen mit körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Schwindel, Beklemmungsgefühlen oder Schweißausbrüchen. Häufig treten diese Attacken in spezifischen Situationen auf, wie beispielsweise in Menschenmengen, in U-Bahnen oder Bussen. Da die Betroffenen in solchen Situationen befürchten, dass eine gesundheitliche Gefahr für sie besteht oder sie gar sterben könnten, wäre es möglich, dass bei ihnen ganz ähnliche Bewertungen ablaufen wie bei Menschen mit ausgeprägten Krankheitsängsten.

Literatur
Weck, F., Neng, J. M. B., Richtberg, S. & Stangier, U. (2012). Dysfunctional beliefs about symptoms and illness in patients with hypochondriasis. Psychosomatics, 53, 148-154.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main

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