Auch Faustregeln wollen gelernt sein

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung untersuchte, wie Kinder und Jugendliche mit einfachen Entscheidungsregeln umgehen.

Welche Stadt hat mehr Einwohner: Chicago oder Akron? Wer die Antwort auf diese Frage nicht weiß, wird sich vermutlich daran orientieren, welcher der Städtenamen bekannter ist. Diese Faustregel der Wiedererkennung führt dabei oft zu erstaunlich guten Urteilen. Denn tatsächlich lesen oder hören wir wahrscheinlicher von größeren Städten, erfolgreicheren Sportlern, Unternehmen oder Universitäten. Die strategische Verwendung der Wiedererkennungsheuristik ist bei Erwachsenen häufig untersucht worden. Doch wird diese Faustregel auch von Kindern und Jugendlichen verwendet?

Städte und Krankheiten im Vergleich

Dieser Frage gingen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zusammen mit Kollegen der University of California (USA) in einer aktuellen Studie nach. Sie ließen über 100 italienische Schüler im Alter von neun, zwölf und 17 Jahren beurteilen, welche von zwei Städten die größere Einwohnerzahl hat oder welche von zwei Krankheiten in ihrem Land häufiger vorkommt – Fragen, die für Kinder nicht einfach zu beantworten sind. Zudem erfassten sie, von welcher der Städte und Krankheiten die jungen Probanden vorher schon einmal gehört hatten.

Faustregeln werden bereits von Kindern genutzt

Es zeigte sich, dass bereits Neun- und Zwölfjährige systematisch die Wiedererkennungsheuristik für ihre Urteile nutzten. Allerdings taten sie das nicht so angepasst an die Situation wie die älteren Jugendlichen. So ist Wiedererkennung bei der Beurteilung von Krankheitshäufigkeiten weniger hilfreich als bei der Beurteilung von Städtegrößen. Denn der Bekanntheitsgrad einer Krankheit sagt wenig darüber aus, wie häufig sie vorkommt. Ein Beispiel: Die meisten Menschen haben schon von der Pest gehört, in der Versorgung spielt sie jedoch kaum noch eine Rolle.

Richtigkeit und Schnelligkeit der Urteile stieg mit dem Alter

In der Studie wurde dies allerdings nur von den 17-Jährigen berücksichtigt. Sie wussten, wann sie die Strategie der Wiedererkennung erfolgreich einsetzen konnten und wann nicht. Entsprechend verwendeten sie die Heuristik bei der Beurteilung von Städten etwa dreimal häufiger als bei der Beurteilung von Krankheiten.

Literatur

Horn, S.S., Ruggeri, A. & Pachur, T. (2016). The development of adaptive decision making: Recognition-based inference in children and adolescents [Abstract]. Developmental Psychology, 52 (9), 1470–1485.

24 November 2016
Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Symbolfoto: © jolopes – Fotolia.com


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