Aufmerksamkeitsfokussierung im Fußball

Das Phänomen der „Inattentional Blindness“ spielt auch in Mannschaftssportarten wie Fußball eine entscheidende Rolle, stellen Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln fest.

Wie oft kommt diese Situation im Fußball vor: Der Spieler in Ballbesitz spielt einfach nicht ab – obwohl ein Mitspieler deutlich besser postiert ist. Oder aber er passt – aber zu einem anderen Spieler. Doch wollte er seinen gut postierten Kollegen wirklich nicht anspielen? Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln haben eine andere Erklärung für dieses Phänomen. Sie machen die „Inattentional Blindness“, die Aufmerksamkeitsfokussierung, dafür verantwortlich. Diese beschreibt, dass Personen, wenn sie in einer Situation sehr auf eine bestimmte Sache fixiert sind, häufig andere Dinge übersehen.
Fußballer werden innerhalb eines Spiels regelrecht mit Informationen bombardiert, die auf Grund der limitierten Informationsverarbeitungskapazität des Gehirns nicht annähernd vollständig verarbeiten werden können. Nur der Bereich, auf den die Aufmerksamkeit gerade gerichtet ist, wird bewusst aufgenommen und verarbeitet. So kann es passieren, dass auch relevante Aspekte des Spiels nicht wahrgenommen werden. Den Kölner Forschern zufolge, ist dies besonders dann der Fall, wenn aufmerksamkeitslenkende Instruktionen vorliegen, wie sie häufig im Training beim Einstudieren von Spielzügen gegeben werden. Diese können dazu führen, dass unerwartet und ungeplant frei stehende Mitspieler nicht angespielt werden. Dieses experimentelle Ergebnis zeigte sich sowohl bei jungen, unerfahrenen als auch bei erwachsenen, erfahrenen Spielern.
Die Wissenschaftler schließen aus diesen Ergebnissen, dass ein zu hohes Maß an aufmerksamkeitslenkenden Instruktionen zu einer geringeren Aufmerksamkeitsbreite und damit zu schlechteren taktischen und kreativen Leistungen führen kann. Hingegen könne die Förderung eines breiten Aufmerksamkeitsfokus zu spontanen, kreativen und möglicherweise besseren Lösungshandlungen führen.

Literatur
Furley, P., Memmert, D. & Heller, C. (2010). The dark side of visual awareness in sport – Inattentional blindness in a real-world basketball task. Attention, Perception & Psychophysics, 72 (5), 1327-1337.

 

Quelle: Deutsche Sporthochschule Köln