Ausgespielt?

Mütter spielen nicht so effektiv mit ihren Kleinkindern, wenn statt traditionellem elektronisches Spielzeug verwendet wird. Das ist die Botschaft einer Studie von Psychologen der University of British Columbia (Kanada).

„Das Spiel ist der Weg der Kinder zur Erkenntnis der Welt, in der sie leben“, schrieb der Schriftsteller Maxim Gorki. Und auch viele Eltern hoffen beim Spielen mit ihren Sprösslingen auf positive Lerneffekte. Welchen Einfluss die Art des Spielzeugs, das genutzt wird, auf das gemeinsame Spiel hat, untersuchten nun Wissenschaftler der University of British Columbia in Vancouver (Kanada).
Sie verglichen dazu drei traditionelle Spielwaren – ein Bilderbuch, ein Formsortierspiel und ein Bauernhof-Set – mit elektronischen Versionen dieser Arten von Spielzeug – einem elektronischen Buch, einem Formsortierspiel mit elektronischer Rückmeldung und sprechenden Kunststoff-Safari-Tieren. Für den Versuch spielten insgesamt 25 Mütter mit ihren Kleinkindern im Alter von 16 bis 24 Monaten für zweimal 10 Minuten und wurden dabei gefilmt. Die Hälfte der Mütter nutzte zuerst die traditionellen Spielwaren und dann die elektronischen, die anderen gebrauchten die Spielzeuge in umgekehrter Reihenfolge. Die Videos wurden anschließend von zwei trainierten unabhängigen Beobachtern analysiert.
Die Beobachter berichteten keine Unterschiede bezüglich der Wärme und Zuwendung zwischen Mutter und Kind – egal welche Art von Spielzeug benutzt wurde. Es zeigte sich jedoch, dass die Mütter, wenn sie elektronische Spielwaren nutzten, weniger auf die Handlungen ihres Nachwuchses eingingen und ihn weniger ermutigten. Zudem waren sie insgesamt in ihrer Spielweise weniger pädagogisch und belehrend. So benannten sie beispielsweise seltener die Namen von Dingen und halfen den Kindern seltener die richtigen Worte zu finden.
Gerade diese elterlichen Verhaltensweisen im Spiel mit ihren Kindern haben früheren Forschungsarbeiten zufolge jedoch Einfluss auf die Entwicklung von Kindern, unter anderem im sprachlichen Bereich.
Den Grund für die beobachteten Unterschiede im Spiel sehen die Psychologen vor allem darin, dass elektronische Spielzeuge laute Geräusche produzieren und daher die Kommunikation zwischen Mutter und Kind immer wieder stören und unterbrechen. Zudem schienen die Mütter bei elektronischen Spielwaren eher geneigt, sie ausschließlich für den Zweck zu nutzen, für den sie entworfen wurden, während traditionelle Spielzeuge auf kreativere und fantasievollere Art und Weise genutzt wurden.
Die Wissenschaftler betonen, dass sie elektronische Spielzeuge nicht für ausnahmslos ungünstig hielten. Weitere Forschung sei notwendig, um die Vorzüge elektronischer Spielwaren zu untersuchen und zu ermitteln, wie sich diese in der Eltern-Kind-Interaktion am besten nutzen ließen. Zudem sei es eine interessante Frage, ob sich die Forschungsergebnisse replizieren ließen, wenn nicht die Mütter sondern die Väter mit ihren Kindern spielten.

Literatur
Wooldridge, M. B. & Shapka, J. (2012). Playing with technology: Mother–toddler interaction scores lower during play with electronic toys. Journal of Applied Developmental Psychology, 33 (5), 211-218.


Quelle: The British Psychological Society – Research Digest

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