Belastung Bachelor

Leistungsdruck und fehlende Freiräume belasten Bachelorstudierende – mehr als der eigentliche Studienaufwand. Dies ist das Ergebnis einer Studie am Psychologischen Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Seit Einführung des Bachelorstudiums in Deutschland gab es Proteste von Seiten der Studierenden – gegen die Verschulung des Studiums, die fehlenden Freiräume und den erhöhten Leistungsdruck. Sind diese Klagen gerechtfertigt? Psychologen der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg untersuchten in einer aktuellen Studie nun die Ursachen für die verbreitete Unzufriedenheit mit dem Bachelorstudium.
Die Arbeitsgruppe befragte zwischen Sommersemester 2009 und Sommersemester 2010 insgesamt 405 Bachelor- und Diplomstudierende aus vier Psychologischen Instituten in Deutschland zu ihrer Studiensituation.
Grundlage der Befragung war das (Job-)Demand-Control-Modell von Karasek, das normalerweise genutzt wird, um belastende Strukturen in der Arbeitswelt zu identifizieren. Die Forscher gingen davon aus, dass die beiden Hauptdimensionen des Modells „Psychologische Anforderungen“ (Demand) und „Entscheidungsfreiräume“ (Control) bei Studierenden im Bachelorstudium ungünstiger ausgeprägt sind als im Diplomstudium.
Tatsächlich zeigte sich in der Untersuchung, dass die Bachelorstudierenden im Vergleich zu den Diplomstudierenden ein deutlich höheres Stressniveau aufwiesen und weniger zufrieden mit ihrem Studium waren. Zudem erlebten sie höhere psychologische Anforderungen und geringere Entscheidungsfreiräume im Studium. Der Studienaufwand hingegen, also die Anzahl der Stunden, die in Lehrveranstaltungen oder mit Selbststudium verbracht wurden, war in den neu strukturierten Studiengängen nur unwesentlich gestiegen und konnte die Unterschiede im Stressniveau und in der Studienzufriedenheit somit nicht erklären.
Die Wissenschaftler schließen aus ihren Ergebnissen, dass Klagen über die hohen Belastungen durch das Bachelorstudium eine reale Basis haben. Einen wesentlichen Grund für den im Bachelorstudium stärker empfundenen Leistungsdruck sehen die Wissenschaftler in der Tatsache, dass in diesem fast alle Leistungen benotet werden. Gleichzeitig seien die Studierenden unter Druck, besonders gute Noten zu erzielen, um bei der späteren Bewerbung um einen Masterstudienplatz eine Chance zu haben.
Zur Verbesserung der Situation der Studierenden schlagen die Wissenschaftler verschiedene Schritte vor, um den Leistungsdruck zu reduzieren und die Entscheidungsfreiräume im Bachelorstudium zu erhöhen. Neben unbenoteten Lehrveranstaltungen und alternativen Prüfungsmodalitäten plädieren sie für eine Ausweitung der realen Studienzeit gegenüber der Regelstudienzeit auf sieben oder acht Semester. Ein solches Vorgehen würde den Studierenden mehr Möglichkeiten bieten, ihre Qualifikationen und ihren Lebenshorizont mit Auslandsaufenthalten, intensiveren Praktika und dem Besuch von Lehrveranstaltungen in anderen Fächern zu erweitern.

Literatur
Sieverding, M., Schmidt, L., Obergfell, J. & Scheiter, F. (2013). Stress und Studienzufriedenheit bei Bachelor- und Diplom-Psychologiestudierenden im Vergleich: Eine Erklärung unter Anwendung des Demand-Control-Modells. Psychologische Rundschau, 64 (2), 94-100.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © D. Sharon Pruitt / flickr.com unter CC BY 2.0

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