Berufliche Entscheidungen von Müttern

Die Geschlechterrollenvorstellungen des Partners spielen für Frauen nach der Geburt des Kindes eine maßgebliche Rolle für ihre beruflichen Entscheidungen. Das berichten Psychologinnen der RWTH Aachen.

Nach der Geburt eines Kindes stehen frisch gebackene Eltern vor weitreichenden Entscheidungen: Wer soll wie lange Elternzeit nehmen? Können beide Partner nach der Elternzeit wieder voll arbeiten gehen? Wer von beiden sollte seine Arbeitszeit reduzieren? Psychologinnen der RWTH Aachen erfragten in einer aktuellen Studie, inwiefern diese Entscheidungen von den individuellen Einstellungen zu Geschlechterrollen beeinflusst werden.

Traditionelle und gleichberechtigte Geschlechterrollenvorstellungen

In einem ersten Projekt stand die berufliche und familiäre Situation werdender Eltern im Fokus. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden 138 Paare viermal befragt: das erste Mal während der Schwangerschaft und dann jeweils sechs, zwölf und 24 Monate nach der Geburt. Erfasst wurden die Geschlechterrollenvorstellungen, die Dauer der Elternzeit sowie Veränderungen in der wöchentlichen Arbeitszeit.
Ein zweites Projekt betrachtete die erfolgreiche Berufsrückkehr von Müttern nach einer Familienpause. Dafür wurden zunächst 168 Mütter befragt, die sich zum ersten Zeitpunkt noch in der Elternzeit, aber kurz vor ihrem beruflichen Wiedereinstieg befanden. Weitere Befragungen – auch des Vaters – fanden fünf Wochen, elf Wochen sowie sechs Monate nach der Rückkehr in den Beruf statt.

Väter unabhängiger in ihren Entscheidungen

In den Analysen zeigte sich, dass die Einstellung der Vaters ganz klar einen Einfluss auf die berufliche Entscheidung der Mutter hatte, der über deren individuelle Vorstellung hinaus reichte: Frauen mit traditionell eingestellten Partnern nahmen längere berufliche Auszeiten als Frauen mit gleichberechtigt eingestellten Partnern und reduzierten ihre Arbeitsstunden deutlicher. Im Gegensatz dazu ließen sich Väter in ihren Entscheidungen nur von ihren eigenen Einstellungen, nicht aber von den Geschlechterrollenvorstellungen der Mütter beeinflussen. Gleichberechtigt eingestellte Väter verringerten ihre Arbeitszeiten entsprechend stärker als traditionell eingestellte Väter.

Orientierung in Phase der Unsicherheit

Erklärungen für diese Ergebnisse sehen die Autorinnen darin, dass Frauen generell stärker zur Berücksichtigung der Bedürfnisse ihres sozialen Umfelds neigen und sich überdies die Lebenssituation mit der Schwangerschaft und der Geburt des Kindes für die Mütter stärker verändert als für die Väter. Es sei zudem so, dass Mütter über stärkere Unsicherheiten nach der Geburt eines Kindes berichten als Väter. In dieser Phase könne eine Orientierung an den Präferenzen des Partners hilfreich und entlastend sein.

Literatur
Stertz, A. M., Grether, T. & Wiese, B. S. (2017). Gender-role attitudes and parental work-decisions after childbirth: A longitudinal perspective with dual earner couples [Abstract]. Journal of Vocational Behavior, 101, 104-118.


1. August 2017
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Symbolfoto: © Jamina Schütz



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