Besser schlafen dank Hypnose

Mit Hilfe von Hypnose können die erholsamen Tiefschlafphasen auf natürlichem Weg verlängert werden. Zu diesem Schluss kamen Psychologen der Universität Zürich.

Guter Schlaf ist entscheidend für unsere körperliche und geistige Erholung. Insbesondere der Tiefschlaf hat einen positiven Einfluss auf Gedächtnis und Leistungsfähigkeit sowie die Funktion des Immunsystems und die Zellregenerierung. Psychologen der Universität Zürich gingen in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Fribourg und der Universität Tübingen nun der Frage nach, inwiefern Hypnose einen nachweisbaren Effekt auf die Länge der Tiefschlafphasen hat.
Hypnose beziehungsweise die Hypnotherapie wird schon seit längerer Zeit erfolgreich bei Patienten mit Schlafstörungen eingesetzt. Allerdings wurde bisher nicht nachgewiesen, ob eine objektiv messbare Veränderung des Schlafs erreicht werden kann.
Die Wissenschaftler nutzten in ihrem Versuch die Methode der Elektroenzephalographie (EEG), um die elektrische Aktivität des Gehirns ihrer Probanden zu erfassen. Tiefschlaf zeichnet sich dabei durch eine sehr gleichmäßige und langsame Wellenbewegung im Elektroenzephalogramm aus.
Untersucht wurden insgesamt 70 gesunde junge Frauen, die für einen 90-minütigen Mittagsschlaf ins Schlaflabor kamen. Vor dem Einschlafen hörten die Probandinnen über Lautsprecher entweder eine spezielle 13-minütige Tiefschlafhypnose oder einen neutral gesprochenen Text. Vor Beginn dieses Experiments waren die Teilnehmerinnen anhand des Standardverfahrens „Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility“ in mittelgut hypnotisierbar und weniger gut hypnotisierbar eingeteilt worden.
Es zeigte sich, dass gut hypnotisierbare Frauen nach dem Hören der Tiefschlafhypnose im Vergleich zum Schlaf nach dem Hören des neutralen Textes einen um rund 80 Prozent erhöhten Tiefschlafanteil aufwiesen. Gleichzeitig verringerte sich die Wachliegezeit um rund zwei Drittel. Im Gegensatz dazu profitierten weniger hypnotisierbare Teilnehmerinnen nicht von der Hypnose. Mit zusätzlichen Kontrollexperimenten bestätigten die Psychologen zudem, dass der förderliche Effekt der Hypnose auf den Tiefschlaf eindeutig auf die hypnotische Suggestion „tiefer zu schlafen“ zurückzuführen war und nicht auf Erwartungseffekte reduziert werden konnte.
Dieses Ergebnis eröffne, nach Ansicht der Psychologen, neue und vielversprechende Möglichkeiten, ohne Medikamente die Schlafqualität zu verbessern. Insbesondere für Patienten mit Schlafproblemen und ältere Erwachsene könne es von zentraler Bedeutung sein, dass die Hypnose – im Gegensatz zu vielen Schlafmedikamenten – frei von Nebenwirkungen sei. Leider gelte allerdings nur rund die Hälfte der Bevölkerung als mittelgut hypnotisierbar. Zudem seien Männer im Durchschnitt etwas schwerer zu hypnotisieren als Frauen. Für gut hypnotisierbare Männer sei allerdings ein ähnlich positiver Effekt zu erwarten.

Literatur
Cordi, M. J., Schlarb, A. A., Rasch, B. (2014). Deepening sleep by hypnotic suggestions. Sleep, 37 (6), 1143-1152.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Piotr Marcinski / Fotolia.com


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