Bildungsorientierte Freizeit

Jugendliche verbringen ihre Freizeit zunehmend bildungsorientiert. So lautet das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

[04.02.2014] Jugendliche gestalten ihre Freizeit heute deutlich anders als noch vor zehn Jahren. Während die zunehmende Nutzung von Kommunikations- und Unterhaltungselektronik – wie beispielsweise Mobiltelefonen und Computerspielen – durchaus augenfällig ist, gibt es auch weniger sichtbare Veränderungen. Mit diesen beschäftigte sich nun eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
Für ihre Studie hatten die Forscher die Angaben von insgesamt 3551 Jugendlichen ausgewertet, die zwischen 2001 und 2012 im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) befragt worden waren.
Es zeigte sich, dass die Beteiligung an sogenannten bildungsorientierten Freizeitbeschäftigungen – wie beispielsweise außerschulischer  Musikunterricht, Sport oder ehrenamtliche Engagements – in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen hat: Während im Jahr 2001 etwa 48 Prozent aller 16- bis 17-Jährigen an solchen Aktivitäten teilgenommen hatten, waren es im Jahr 2012 bereits 62 Prozent der Jugendlichen in diesem Alter. Aus der genaueren Betrachtung der Daten ging hervor, dass zwischen 2001 und 2004 etwa zehn Prozent der 16- bis 17-Jährigen musizierten, zwischen 2009 und 2012 aber bereits knapp 18 Prozent. Noch stärker nahm im gleichen Zeitraum das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen zu: Die Beteiligung stieg von 11 auf 22 Prozent. Darüber hinaus war auch der Anteil der Jugendlichen, die Sport trieben, tanzten oder Theater spielten, gestiegen. Gleichzeitig verzeichneten die Forscher einen Abwärtstrend der sogenannten informellen Freizeitbeschäftigungen. So war der Anteil derer, die täglich mit der besten Freundin oder dem besten Freund unterwegs waren, im Untersuchungszeitraum von 40 auf 25 Prozent zurückgegangen.
Obwohl sich der Trend hin zu bildungsorientierten Aktivitäten über alle sozialen Schichten hinweg zeigte, waren es nach wie vor vor allem Jugendliche aus bildungsnahen Haushalten, die ihre Freizeit bildungsorientiert gestalteten: Wies die Mutter weder Abitur noch einen Universitätsabschluss vor, hatten die Kinder eine um 20 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit der Teilnahme an einer bildungsorientierten Freizeitaktivität als andere.
Die Wissenschaftler schließen aus diesem Ergebnis, dass weiterhin Jugendliche aus niedrigen sozialen Schichten mehrfach benachteiligt seien: Die weniger günstigen Bildungsmöglichkeiten zu Hause, in der Schule und in der Freizeit verstärkten sich gegenseitig.
Inwieweit bildungsorientierte Freizeitaktivitäten wichtig für die Entwicklung von Fähigkeiten sowie für die Berufs- und Studienwahl sind, ist noch unzureichend erforscht. Die SOEP-Daten zeigen jedoch: Jugendliche, die an einer bildungsorientierten Freizeitaktivität teilnahmen, beschrieben sich als signifikant zufriedener mit ihrem Leben als andere.
Die Wissenschaftler des DIW fordern daher neben der verstärkten staatlichen Förderung bildungsorientierter Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien auch den weiteren Ausbau von Ganztagsschulen – um die fortbestehende Bildungsungleichheit im Freizeitbereich zu reduzieren.

Literatur
Hille, A., Arnold, A. & Schupp, J. (2013). Freizeitverhalten Jugendlicher: Bildungsorientierte Aktivitäten spielen eine immer größere Rolle. DIW Wochenbericht, 40, 15-26.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © midiman / flickr.com unter CC BY 2.0


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