Cannabiskonsum beschleunigt die Entwicklung von Psychosen

Eine neue Studie der University of New South Wales, Sydney, belegt, dass der Genuss von Cannabis den Ausbruch psychischer Erkrankungen in den entscheidenden Jahren der Gehirnentwicklung um bis zu 2,7 Jahren beschleunigen kann. Unter Umständen hat der Cannabiskonsum lebenslange Folgen.

 Unter der Mitwirkung von Dr. Matthew Large führte ein internationales Team bestehend aus Forschern der Fakultät für Psychatrie der University of New South Wales und dem Prince of Wales Hospital in Sydney eine Meta-Analyse durch. In Zusammenarbeit mit dem St. Vicent´s Hospital und der Fakultät für Medizin und Gesundheitswesen der George Washington University ermittelte die Studie, inwiefern der Genuss von Cannabis, Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen das Auftreten psychischer Erkrankungen, wie Schizophrenie, beeinflusst.

Dem Forscherteam zufolge untermauern die aktuellen Ergebnisse die These, dass der Genuss von Cannabis Schizophrenie und weitere psychische Erkrankungen hervorruft. Dies ist wahrscheinlich bedingt durch ein Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Störungen oder durch die Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung.
„Das Team fasste Forschungsergebnisse von insgesamt 83 Primärstudien mit 20.000 Patienten zusammen, die an Schizophrenie oder anderen psychischen Erkrankungen leiden“, berichtet Dr. Large. „Dabei machten sich die Forscher die Meta-Analyse zunutze, eine moderne statistische Methode, mit der sie zeigen konnten, dass ein früheres Auftreten ernsthafter psychischer Erkrankungen bei den Betroffenen auf den Konsum von Cannabis zurückzuführen und nicht durch andere Suchtmittel, wie Alkohol, verursacht worden ist.“ 
Ihm zufolge ist der Missbrauch von Drogen unter Patienten in psychologischen Kliniken besonders verbreitet und Schizophrenie-Patienten greifen häufiger zu Drogen als andere Gesellschaftsmitglieder. 
„Die Forschungsergebnisse liefern Beweise dafür, dass das Beenden oder das Reduzieren des Cannabiskonsums den Ausbruch von Psychosen verzögern oder gar verhindern kann. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Betroffenen dennoch Gefahr laufen, einige Jahre später Psychosen zu entwickeln“, so Large. 

„Auch wenn der Ausbruch einer Psychose nicht verhindert werden kann, könnte eine zwei- bis dreijährige psychosefreie Entwicklung in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter bei vielen Patienten die Gefahr von langfristigen Behinderungen durch psychotische Störungen verringern.“ Large stellt fest:„ Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass es weiterhin äußerst wichtig ist, die Bevölkerung vor der schädlichen Wirkung von Cannabis zu warnen.”

 Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund