Computerspiele schärfen den Orientierungssinn

Video- und Computerspiele können das räumliche Denken der Spieler verbessern, stellten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zusammen mit Kollegen von der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité fest.

Videospielen ist ein beliebtes Hobby – nicht nur bei Kindern und Jugendlichen. Denn obwohl Eltern die viele Zeit, die ihre Kinder am Bildschirm, mit Game Boy, Playstation und co. verbringen, oft mit Argwohn betrachten, spielen sie mitunter auch gerne am Computer. Entwicklungspsychologen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung gingen in Zusammenarbeit mit der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité nun der Frage nach, wie sich Videospielen auf das Gehirn erwachsener Spieler auswirkt.
Für die Studie wurden 62 Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren zu ihrem Spielverhalten befragt. Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) analysierten die Forscher zudem die Hirnstruktur ihrer Probanden.
Es zeigte sich, dass die graue Substanz des Gehirns im sogenannten entorhinalen Kortex, der für das räumliche Denken und den Orientierungssinn des Menschen eine wichtige Rolle spielt, bei Videospielern ausgeprägter ist. Am stärksten war die Ausprägung dieses Gehirnbereichs bei den Probanden, die in ihrem Leben im Vergleich zu den anderen die meiste Zeit mit Videospielen verbracht hatten. Einen positiven Einfluss des Videospielens stellten die Forscher zudem für den Hippocampus sowie den linken Okzipitallappen fest.
Nach Ansicht der Berliner Wissenschaftler deutet die beobachtete Veränderung in der Hirnstruktur darauf hin, dass Videospieler ihre visuelle Aufmerksamkeit und räumliches Denken trainieren und sich möglicherweise intuitiv besser in ihrer Umwelt orientieren können.
Allerdings scheint nicht jedes Videospiel-Genre den gleichen Effekt zu haben: Das größte Wachstum konnte bei den Probanden belegt werden, die Logik- und Puzzle-Spiele wie beispielsweise Tetris, Minesweeper oder Professor Layton sowie Jump and Run-Spiele wie Super Mario 64, Sonic oder Mega Man spielten. Bei Spielern von actionbasierten Rollenspielen wie Fallout, Mass Effect oder Dead Island war die Veränderung hingegen weniger ausgeprägt.

Literatur
Kühn, S. & Gallinat, J. (in press). Amount of lifetime video gaming is positively associated with entorhinal, hippocampal and occipital volume. Molecular Psychiatry.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © SparkFun / Jared Tarbell, jared / flickr.com unter CC BY 2.0

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