Das Brett vorm inneren Auge

Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollen eine neuropsychologische Theorie der Hypnose entwickeln.

Dass Hypnose wirkt, muss heute nicht mehr nachgewiesen werden: Mit ihrer Hilfe gewöhnen sich Menschen das Rauchen ab, finden besseren Schlaf und überstehen sogar zahnärztliche Eingriffe ohne weitere Betäubung. Doch was genau passiert im Gehirn eines hypnotisierten Menschen? Dieser Frage gehen derzeit Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter Mitwirkung eines Kollegen von der Universität Trier nach. Sie legten nun erste Studienergebnisse vor.

Suggerierte Sichtbehinderung

Für ein Experiment zur Verarbeitung visueller Reize teilten sie Probanden in drei Gruppen ein: Personen, die sehr suggestibel, also empfänglich für Hypnose, sind, und Personen, bei denen diese Fähigkeit eher mittelmäßig bzw. wenig ausgeprägt ist. Unter Hypnose hatten alle Probanden die Aufgabe, am Computerbildschirm bestimmte Symbole zu zählen. Gleichzeitig sollten sie sich ein Brett vor ihren Augen vorstellen.

Wie das Gehirn hypnotische Zustände ermöglicht

Es zeigte sich, dass die suggerierte Sichtbehinderung die Anzahl der Zählfehler erheblich steigerte. Dies passierte in allen drei Testgruppen, am stärksten jedoch bei besonders gut hypnotisierbaren Probanden.
Im Elektroenzephalogramm (EEG) wurde deutlich, dass etwa 400 Millisekunden, nachdem die Probanden das besonders zu beachtende Symbol gesehen hatten, eine extrem reduzierte Hirnaktivität vorlag – obwohl sie normalerweise zu diesem Zeitpunkt sehr hoch sein müsste. Kurze Zeit vorher, also in der Zeitspanne bis 200 Millisekunden nach der Präsentation des Reizes, zeigten sich jedoch keine Auffälligkeiten. Das bedeute, so die Forscher, dass die einfache Wahrnehmung noch stattgefunden habe, tiefere Verarbeitungsprozesse, wie etwa das Zählen, aber stark beeinträchtigt gewesen seien.

Seriöse Hypnoseforschung etablieren

Auf Grundlage ihrer Erkenntnisse dazu, wie die Hypnose einzelne Regionen im Gehirn bei der Reizaufnahme beeinflusst, und weiterer ähnlicher Untersuchungen, erhoffen sich die Forscher, schließlich eine umfassende Theorie zur Wirkweise der Hypnose vorlegen zu können. Es gelte, eine seriöse Hypnoseforschung zu etablieren. Bisher gebe es leider zu viele esoterische Spekulationen zu diesem Thema.

Literatur
Schmidt, B., Hecht, H., Naumann, E. & Miltner, W. H. R. (2017). The Power of mind: Blocking visual perception by hypnosis. Scientific Reports, 7, 4889.

8. August 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Jan-Peter Kasper/FSU


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