Das Gehirn jung halten

Yoga und Meditation können die negativen Effekte der Alterung auf Intelligenz und Gehirn verringern. Zu diesem Schluss kamen Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Yoga und Meditation sind im Trend und – richtig angewendet – gesund für Körper und Seele. Ein Team von Wissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Charité Universitätsmedizin Berlin ging nun zusammen mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und den USA der Frage nach, inwiefern auch geistige Fähigkeiten durch diese Praktiken beeinflusst werden. Im Fokus der Untersuchung stand dabei die sogenannte fluide Intelligenz, die für das Lösen neuartiger Aufgaben benötigt wird, und genauso wie andere Hirnfunktionen und kognitive Fähigkeiten mit zunehmendem Alter nachlässt.
Mit Hilfe einer neuartigen Methode erfassten die Wissenschaftler, wie bei ihren Probanden der Informationsfluss zwischen den verschiedenen Hirnregionen organisiert war. Gemessen wurde die Hirnaktivität im Ruhezustand mittels funktioneller Magnetresonanztomographie: Bei 16 Yoga-Übenden und 16 Meditierenden im mittleren Erwachsenenalter sowie gleichaltrigen 15 Kontrollpersonen, die keine der beiden Praktiken anwendeten, aber einen vergleichbar gesunden Lebensstil hatten.
Die Analyse des Informationsfluss zwischen 116 Hirnregionen zeigte, dass Meditierende und Yoga-Übende insgesamt einen effizienteren Informationsfluss aufwiesen als die Kontrollgruppe: Bei ihnen wurden die Informationen zwischen verschiedenen Hirnregionen besser verarbeitet und eingeordnet. Des Weiteren stellten die Wissenschaftler fest, dass die Hirnnetzwerke der Meditierenden und Yoga-Übenden eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber simulierten Schädigungen hatten: Selbst wenn die wichtigsten Hirnregionen aus der Analyse ausgeschlossen wurden, war der Informationsfluss im verbleibenden Netzwerk immer noch effizient.
Dieser Befund steht im Einklang mit der Tatsache, dass jüngere und intelligentere Menschen Hirnnetzwerke haben, in denen Informationen besser integriert werden. Die Forscher gehen daher davon aus, dass die fluide Intelligenz bei erfahrenen Yoga-Praktizierenden und Meditierenden weniger schnell abnimmt als bei Personen ohne diese Praxis, und dass somit die negativen Effekte der Alterung auf Intelligenz und Gehirn verringert werden könnten.

Literatur
Gard, T., Taquet, M., Dixit, R., Hölzel, B. K., De Montjoye, Y.-A., Brach, N. Et al. (2014). Fluid intelligence and brain functional organization in aging yoga and meditation practitioners. Frontiers in Aging Neuroscience, 6 (76).


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Benjamin J. DeLong / flickr.com unter CC BY 2.0


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