Das richtige Gesicht für den Job?

Welche Rolle das Aussehen bei der Auswahl von Führungskräften spielen könnte, untersuchten Wissenschaftler der University of Warwick (England).

Attraktive Menschen haben es im Leben leichter: Obwohl es praktisch keine nachweisbaren Zusammenhänge zwischen der Attraktivität und dem Charakter einer Person gibt, werden schönen Menschen deutlich positivere Eigenschaften zugeschrieben. Psychologen sprechen vom sogenannten Attraktivitätsstereotyp. Studien haben zudem zeigen können, dass Menschen sich aufgrund des Gesichts einer potenziellen Führungskraft einen Eindruck über deren mögliche Eigenschaften bilden – und dass bestimmte Gesichtsmerkmale den Aufstieg in eine Führungsposition begünstigen. Forscher der University of Warwick (England) untersuchten in einer aktuellen Studie nun, inwiefern es möglich ist, aus dem Gesicht sogar auf das Arbeitsfeld einer Person zu schließen.

Einschätzung nur anhand des Gesichts

Dafür nutzten die Wissenschaftler Schwarz-Weiß-Fotos von öffentlich vergleichsweise unbekannten US-amerikanischen Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Militär, Politik und Sport: Insgesamt waren dies 325 Vorstandsmitglieder, 64 Armee-Generäle, 66 Gouverneure und 43 Football-Trainer. 614 britische Versuchspersonen hatten die Aufgabe, allein anhand der eigens ausgeschnittenen Gesichter zu entscheiden, in welchem Bereich die Person arbeitete.

Stereotype für bestimmte Berufsfelder

Obwohl die Probanden angaben, sich ihrer Einschätzungen keineswegs sicher zu sein, lagen sie bezüglich der Kategorien „Wirtschaft“, „Militär“ und „Sport“ überzufällig häufig richtig. Lediglich bei den Politikern taten sich die Versuchspersonen schwer.

Die Forscher schließen aus diesem Ergebnis, dass sich Personen, die in entweder in der Wirtschaft, beim Militär oder im Sport eine hohe Führungsposition erreichen, bezüglich bestimmter Gesichtsmerkmale ähneln. Es scheine Gesichtsstereotype für bestimmte Professionen zu geben, die vermutlich nicht nur bei der Schätzung der Probanden, sondern auch bei der Auswahl einer Führungskraft eine Rolle spielen. In der Politik hingegen gebe es anscheinend kein klares Gesichtsstereotyp.

Warmherzig, attraktiv, kompetent oder reif

In einem weiteren Experiment befragten die Wissenschaftler nochmals 929 Versuchspersonen. Diese sollten nun anhand der Gesichter von 80 der Führungspersonen deren Eigenschaften einschätzen. Dabei zeigte sich, dass Personen aus dem Militär- und Sportbereich als weniger attraktiv und warmherzig beurteilt wurden als Personen aus Politik und Wirtschaft. Zudem wurden Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft als kompetenter und Personen aus dem militärischen Bereich als maskuliner und reifer eingeschätzt.

Literatur

Olivola, C. Y., Eubanks, D. L. & Lovelace, J. B. (2014). The many (distinctive) faces of leadership: Inferring leadership domain from facial appearance [Abstract]. The Leadership Quarterly, 25 (5), 817-834.

3. März 2015
Quelle: University of Warwick
Foto: © Annika Strupkus


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