Das Vereinbarkeitsdilemma engagierter Väter

Junge Väter leiden stark unter Work-to-Family-Konflikten und wünschen sich, ihre Arbeitszeit reduzieren zu können. Dies ist einer der ersten Befunde aus einem Survey des Deutschen Jugendinstituts.

Die Vorstellungen darüber, was ein „guter Vater“ ist, haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt: Vom reinen Ernährer, der die Familienorganisation und die Erziehung der Kinder seiner Partnerin vollständig überließ, hin zu Vätern, die das Aufwachsen ihres Nachwuchses gleichberechtigt begleiten wollen. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) präsentierte auf seiner Jahrestagung erste Befunde aus dem DJI-Survey AID:A 2015 „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ – und schenkte dabei unter anderem den Vätern besondere Aufmerksamkeit.

Befragung von Vätern mit kleinen Kindern

Im Rahmen der groß angelegten Untersuchung wurden die Väter von über 3.000 Kindern im Alter von unter neun Jahren befragt: Sie gaben an, wie sie ihre Rolle als Vater verstehen, welche Konflikte sie zwischen den verschiedenen Anforderungen von Arbeit und Familie erleben und wie viel Zeit sie ihrem Beruf idealerweise widmen möchten.

Modernisiertes Ernährermodell verbreitet

In der Auswertung zeigte sich, dass es den Vätern heute wichtig ist, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und gleichberechtigt familiäre Verantwortung – über die finanzielle Absicherung hinaus – zu übernehmen. Umgekehrt lehnte die Mehrheit eine traditionelle Rollenverteilung in der Familie ab. Dennoch zeigen die Daten, dass 90 Prozent der Befragten in Vollzeit berufstätig sind, während die Mütter zunächst meist mit den Kindern ganz zu Hause bleiben, um dann in Teilzeit zu arbeiten – und damit das sogenannte „modernisierte Ernährermodell“ zu leben.

Work-to-Family-Konflikte

Obwohl besonders die Männer mit einem höheren Bildungsabschluss sich für eine egalitäre Partnerschaft aussprechen, finden sich unter ihnen sogar seltener „aktive Väter“ als unter den Männern mit niedrigerem Bildungsabschluss: Sie leisten deutlich häufiger Überstunden und klagen über Work-to-Family-Konflikte und zu wenig Zeit für ihr Privatleben.

Männer erleben anscheinend heute ähnliche Vereinbarkeitsprobleme wie Frauen: Sie ziehen sich zwar viel seltener zugunsten der Familie (teilweise) aus dem Erwerbsleben zurück, sind aber – genauso wie ihre Partnerinnen – mit dieser Situation durchaus nicht zufrieden und würden, wenn möglich, ihre Arbeitszeit reduzieren wollen.

26. November 2015
Quelle: Deutsches Jugendinstitut
Symbolfoto: © www.helenesouza.com – pixelio.de


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