Dem Kopf beim Sprachlernen zugeschaut

Forscher des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in Nijmegen (Niederlande) untersuchten, wie sich eine neue Grammatik im Gehirn einprägt.

Das Erlernen einer neuen Sprache ist eine schwierige Aufgabe: Denn man muss sich nicht nur eine Menge neuer Vokabeln merken, sondern auch begreifen, wie diese grammatikalisch richtig zusammengesetzt werden. Zudem muss das neu erlernte Wissen mit bestehenden Sprachkenntnissen verknüpft werden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in Nijmegen (Niederlande) untersuchten diese Prozesse nun mit Hilfe bildgebender Verfahren auf neurowissenschaftlicher Ebene.

Kunstsprache „Alienese“

Ihre Probanden, allesamt holländische Muttersprachler, lernten im Rahmen der Studie eine einfache künstliche Sprache namens „Alienese“. Diese bestand aus einer Reihe von Vokabeln, wie etwa „josa“ (Frau), „komi“ (Mann) oder „oku“ (fotografieren), die von den Forschern nach bestimmten grammatischen Regeln kombiniert wurden. Sätze wie „Komi oku josa“ oder aber „Josa komi oku“ bedeuteten beide „Der Mann fotografiert die Frau“ und wurden mit einem entsprechenden Bild illustriert. Allerdings entsprach die Wortstellung in den präsentierten Sätzen mal der holländischen Sprache, mal wiederum nicht.

Vertraute und ungewohnte Wortstellungen

Während die Probanden die Sätze mit diesen vertrauten und ungewohnten Wortstellungen lasen, erfassten die Forscher deren Gehirnaktivität. Es zeigte sich, dass unbekannte Wortstellungen zu einer erhöhten Hirntätigkeit in den Regionen führte, von denen man weiß, dass sie auch für die Muttersprache genutzt werden. Bei vertrauter Wortstellung hingegen verringerte sich die Aktivität in diesen Bereichen.

Wiederverwendung der bekannten Grammatik

Damit wurde zum einen deutlich, dass neue linguistische Informationen in denselben Hirnregionen integriert werden, die auch für die Muttersprache genutzt werden. Zum anderen sind die Ergebnisse ein Hinweis darauf, dass es das Gehirn deutlich weniger beansprucht, wenn grammatikalische Ähnlichkeiten zwischen bekannter und neuer Sprache bestehen. Anscheinend wird in diesen Fällen beim Sprachlernen die gewohnte Grammatik „wiederverwendet“ – und kein neues grammatikalisches Repertoire erstellt.

Literatur

Weber, K., Christiansen, M.H., Petersson, K.M., Indefrey, P. & Hagoort, P. (2016). fMRI syntactic and lexical repetition effects reveal the initial stages of learning a new language [Abstract]. Journal of Neuroscience, 36 (26), 6872-6880.

21. Juli 2016
Quelle: Max-Planck-Institut für Psycholinguistik
Symbolfoto: © Susanne Koch


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