Der andere Blick auf Bildung

Welch starken Einfluss Eltern auf die Bildungsmöglichkeiten ihrer Kinder haben, betont die Psychologin Prof. Dr. Sabine Walper in einem aktuellen Artikel für das Forschungsmagazin Impulse des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Bildung ist mehr als Schule. Fast drei Viertel der menschlichen Lernprozesse finden außerhalb der Schule statt: in der Kita, im Freundeskreis, in der Fort- und Weiterbildung – und auch in der Familie. Die aktuelle Ausgabe des Forschungsmagazins Impulse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) wirft aus diesem Grunde einen „anderen Blick auf Bildung“ und präsentiert in diesem Zuge auch die Ergebnisse der gleichnamigen Jahrestagung des DJI vom November 2012.
Die Psychologin Prof. Dr. Sabine Walper, derzeit Forschungsdirektorin am DJI, konzentriert sich in ihrem Beitrag auf die Bedeutung der Familie für die Entwicklung und die Bildungschancen von Kindern. Ausführlich geht sie dabei auf die zentralen Aufgaben von Eltern ein: Diese seien nicht nur für die Pflege und die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich. Sie nähmen durch Lernanregungen im häuslichen Bereich und die Auswahl von Betreuung, Schule und sogar Freunden auch die Rolle von Bildungsförderern und Arrangeuren kindlicher Bildungsgelegenheiten ein.
Besonders wichtig seien bereits die ersten Lebensjahre, in denen durch den Aufbau einer sicheren Bindung und allgemeiner sprachlicher und kommunikativer Fähigkeiten die Grundlagen für eine spätere Bildung gelegt würden. In Abhängigkeit vom elterlichen Bildungsniveau gebe es allerdings beträchtliche Unterschiede zwischen Familien hinsichtlich der Anregungen, die Kindern in dieser Phase gegeben würden. Dies setze sich im Kleinkind- und Vorschulalter fort. Auffällig sei des Weiteren, dass gerade jene Familien, die im Alltag vergleichsweise selten bildungsorientierten Aktivitäten nachgingen, auch seltener organisierte Freizeitangebote nutzten. Dadurch würden sich entwicklungsförderliche Erfahrungen innerhalb und außerhalb der Familie eher gegenseitig aufschaukeln statt kompensatorisch Lücken zu füllen.
Dies führe, nach Ansicht von Prof. Dr. Sabine Walper, nicht zuletzt zu dem  bereits in der Pisa-Studie 2001 festgestellten extrem hohen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen von Kindern in Deutschland.
Da elterliche Kompetenzen im Erziehungs- und Bildungsbereich keineswegs selbstverständlich seien, verweist sie in ihrem Artikel auf präventive Angebote der Familienbildung, wie etwa die „Frühen Hilfen“ und „Elternchance ist Kinderchance“.

Literatur
Walper, S. (2012). Vom Einfluss der Eltern. DJI Impulse, 4, 10-13.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut

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