Der Einfluss von Dr. Google

Psychologen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien untersuchten, wie die Suche nach medizinischen Informationen im Internet die Wahrnehmung der eigenen Gesundheit verändert.

Bei einer Erkrankung, besonders dann, wenn sie schwerwiegend ist, suchen Patienten das Gespräch mit ihrem Arzt. Oft wird dieses jedoch als zu kurz oder nicht ausreichend empfunden. Auch können nicht immer alle genannten Fakten erinnert werden. Kein Wunder also, dass Patienten sich heute vermehrt im Internet informieren – um ihre Diagnose besser zu verstehen und mehr über Heilungsverfahren und Krankheitsverlauf zu erfahren. Doch wie beeinflusst dies ihre Wahrnehmung der eigenen Krankheit bzw. Gesundheit?

Fragebogenstudie mit chronisch Kranken

Dieser Frage gingen Psychologen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen nun nach. Im Rahmen einer längsschnittlich angelegten Fragebogenstudie befragten sie insgesamt 208 Patienten mit einer chronischen Erkrankung unter anderem zu ihrer subjektiv wahrgenommenen Gesundheit sowie zu ihrer Internetnutzung und ihren Wegen, sich Gesundheitsinformationen zu beschaffen.

Patienten, die googlen, fühlen sich gesünder

Es zeigte sich, dass das Suchen und Lesen von medizinischer Information im Internet zu einer positiveren Wahrnehmung der eigenen Gesundheit führte – paradoxerweise besonders dann, wenn Krankheit und Bedrohungsgefühle besonders schwerwiegend waren. Je schwerer die Erkrankung war und je mehr die Diagnose als gesundheitliche Bedrohung erlebt wurde, desto zuversichtlicher fühlten sich die Patienten nach intensiver Internetrecherche in Bezug auf ihre eigene Gesundheit. Bei der Nutzung anderer Informationsquellen war ein solcher Effekt nicht zu beobachten.

Ausblenden negativer Informationen

Die Wissenschaftler vermuten, dass das Gefühl von persönlicher Bedrohung zu einer einseitigen Informationsauswahl und Verarbeitung führte, dass sich die Betroffenen bei ihrer Recherche also unbewusst auf positive Informationen konzentriert und negative ausgeblendet hatten. Dieses Ausblenden potenziell negativer Verläufe der Krankheit sei einerseits positiv zu bewerten, denn eine optimistische Haltung wirke sich auch günstig auf die Gesundheit aus. Andererseits berge der falsche Eindruck der eigenen Situation aber natürlich auch Gefahren. Entsprechend wichtig sei es, so die Forscher, dass Ärzte auf den Umgang mit (fehl-)informierten Patienten vorbereitet seien.

Literatur

Sassenberg, K. & Greving, H. (2016). Internet searching about disease elicits a positive perception of own health when severity of illness is high: A longitudinal questionnaire study. Journal of Medical Internet Research, 18 (3), e56.

23. März 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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