Der Schlüssel zur Kreativität

Das soziale Umfeld spielt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Kreativität und Genialität. Zu diesem Schluss kamen Psychologen der University of Queensland (Australien).

Originalität, Genialität und Kreativität werden gewöhnlich als Teil der Persönlichkeit, als Resultate der Gene angesehen. Auch die Forschung im Bereich der Kreativität hatte sich bisher vorrangig auf persönliche Faktoren des Einzelnen wie etwa Intelligenz und Motivation konzentriert. Psychologen der University of Queensland (Australien) stellen diese Sichtweise mit einem zusammen mit Kollegen der University of Exeter (Großbritannien) und der Universität Groningen (Niederlande) entwickelten Modell nun in Frage.
In das neue Modell ließen die Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse aus einer Reihe von experimentellen Studien einfließen, die das Team im vergangenen Jahrzehnt durchgeführt hatte. In diesen waren sie zu dem Schluss gekommen: Das soziale Umfeld spielt für die Entwicklung von Kreativität und Genialität eine ebenso wichtige Rolle wie die persönlichen Voraussetzungen des Einzelnen. Genies und kreative Menschen seien somit zu einem großen Teil Produkte der Gruppen und Gesellschaften, in denen sie lebten.
Ein verbreitetes Bild sei das des kreativen Einzelgängers, der, sobald er vom Gruppenzwang befreit sei, allen Konventionen widerspreche. Allerdings sei, nach Ansicht der Wissenschaftler, die Art und Weise, wie jemand „auszubrechen“ versuche, von der Gruppe bestimmt. Denn nur im Verhältnis und im Bezug zum etablierten Denken sei eine Distanzierung sinnvoll.
Zudem entstehe Kreativität nicht einfach aus dem Nichts und finde auch nicht in einem sozialen oder kulturellen Vakuum statt: Der Gruppe oder Gemeinschaft falle die wichtige Rolle zu, ein Publikum für Kreativität zu sein, diese begeistert aufzunehmen und das Umfeld zu bilden, in dem sie sich entfalten könne.
Aus den Forschungsergebnissen werde zudem ersichtlich, dass es die Akzeptanz oder die Ablehnung durch die Gruppe ist, die den ultimativen Wert der Kreativität bestimmt. Was Menschen schafften und wie sie es schafften, hänge zu einem Großteil davon ab, was die Menschen in deren Umgebung, mit denen sie sich identifizierten, täten. So erbrachten Künstler, Schriftsteller und Naturwissenschaftler ihre kreativsten Arbeiten oft dann, wenn sie mit einem oder mehreren anderen zusammenarbeiteten – mit gleichgesinnten Freunden, Kollegen oder Altersgenossen.
Eine wichtige Erkenntnis ihrer Forschung sei es daher, dass die Gesellschaft in Gruppen und Institutionen, wie etwa Universitäten, investieren müsse, die bestimmte Formen von Kreativität erst ermöglichen.

Literatur
Haslam, S. A., Adarves-Yorno, I., Postmes, T. & Jans, L. (2013). The collective origins of valued originality: A social identity approach to creativity. Personality and Social Psychology Review, 17 (4), 384-401.

Quelle: Institut Ranke-Heinemann
Foto © carta / thetaxhaven / flickr.com unter CC BY 2.0

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