Deutsche Jugendliche finden sich zu dick

Jedes zweite 15-jährige deutsche Mädchen und jeder dritte Junge in diesem Alter finden sich zu dick – selbst wenn sie objektiv gar nicht übergewichtig sind. Wissenschaftler der Universität Bielefeld liefern die deutschen Ergebnisse zur „Health Behaviour in School-aged Children“-Studie (HBSC).

Die internationale HBSC-Studie unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfasst seit 1982 in mittlerweile 39 Ländern und Regionen Europas und Nordamerikas regelmäßig die Gesundheit von Schulkindern sowie auch deren gesundheitsbezogene Wahrnehmungen, Einstellungen und Verhaltensweisen. Die aktuelle deutsche Teilstudie koordinierte das „WHO Collaborating Centre for Child and Adolescent Health Promotion“ (Kollaborationszentrum der Weltgesundheitsorganisation zur Kinder- und Jugendgesundheitsförderung) an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld.
Die Bielefelder Wissenschaftler befragten bundesweit rund 5.000 Schüler im Alter von 11, 13 und 15 Jahren aus 289 allgemeinbildenden Schulen. Mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens erfassten sie unter anderem das Körpergewicht und das Diätverhalten sowie das persönliche Körperbild der Kinder und Jugendlichen.
Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich rund 50 Prozent der 15-jährigen deutschen Mädchen und rund 34 Prozent der Jungen in diesem Alter als zu dick empfinden – selbst wenn objektiv kein Übergewicht vorliegt. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Jugendlichen bezüglich der Körperunzufriedenheit damit die traurigen Spitzenreiter – sie schätzen sich am häufigsten als zu dick ein. Gemeinsam ist allen Ländern, dass die Unzufriedenheit mit dem Körper mit dem Alter kontinuierlich zunimmt. Auffällig ist auch der Geschlechtsunterschied in der Selbstwahrnehmung, der sich ebenso in allen Ländern zeigt. Die Forscher sehen die Gründe dafür, dass sich mehr Mädchen als Jungen als zu dick beschreiben, darin, dass sich Mädchen durch die körperlichen Veränderungen der Pubertät mehr vom gängigen Schlankheitsideal entfernen, während sich Jungen dem Schönheitsideal eher annähern.
Der im Rahmen der HBSC-Studie gefundene verzerrte Zusammenhang zwischen körperlicher Unzufriedenheit und dem tatsächlichen Körpergewicht gibt nach Ansicht der Bielefelder Wissenschaftler Anlass zur Sorge. Denn Folgen dieser Fehleinschätzung können ungesunde Ernährungspraktiken, häufige Diäten, Unzufriedenheit und psychische Probleme bis hin zu Essstörungen sein. Die Forscher plädieren daher dafür, dass die Körperwahrnehmung zukünftig stärker in Überlegungen zu Prävention und Gesundheitsförderung eingeschlossen wird. 

Weitere Informationen:
HBSC-Studie

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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