Deutsche sind am „geduldigsten“

Eine Veröffentlichung im Journal of Economic Psychology untersuchte die Zeitpräferenzen in insgesamt 52 Ländern weltweit.

Geduld ist im wirtschaftlichen Leben eine wichtige Tugend. Wer nicht abwarten kann, nimmt zum Beispiel leichtfertig Kredite auf, um sich schneller etwas leisten zu können. Dass manche Menschen geduldiger sind als andere, ist klar. Aber wie sieht das im internationalen Vergleich aus? Trifft es zu, dass Menschen in manchen Ländern eher das schnelle Geld bevorzugen, während andere länger abwarten? Diesen Fragen gingen Wissenschaftler der Universität Trier zusammen mit Kollegen der Universität Zürich und der Otto Beisheim School of Management nach.

Messung von Zeitpräferenzen

In ihrer groß angelegten Studie versuchten die Forscher, Zeitpräferenzen experimentell zu erfassen. Testpersonen aus insgesamt 52 verschiedenen Ländern hatten die Aufgabe zu entscheiden, was sie bevorzugen würden: eine sofortige Auszahlung eines bestimmten Geldbetrags oder eine etwas höhere Auszahlung einen Monat später.

Deutsche am „geduldigsten“

Es zeigte sich, dass der Anteil der Personen, die warten wollten, in Deutschland am höchsten war. Auf Platz zwei und drei folgten die Schweiz und Belgien. Auf den letzten drei Plätzen der Tabelle lagen Georgien, Tansania und Nigeria.

Stabilität der Länder nicht allein ausschlaggebend

Natürlich, so betonen die Forscher, seien die wirtschaftliche und politische Stabilität eines Landes von Bedeutung: Bei großer Unsicherheit über die Zukunft liege es nahe, eine sofortige Zahlung zu bevorzugen. Allerdings ließen sich die Unterschiede zwischen den Ländern nicht allein dadurch erklären: So erreichten beispielsweise die USA nur Platz 24, während das deutlich weniger wohlhabende Tschechien auf Platz 9 der Tabelle landete.

Kulturelle Unterschiede

Die Wissenschaftler gehen auf Grundlage ihrer Analysen davon aus, dass unter anderem kulturelle Unterschiede die „Geduld“ in einem Land prägen. So platzierten sich beispielsweise alle skandinavischen Länder unter den zehn „geduldigsten“ Nationen, während südeuropäische Länder wie Italien, Spanien und Griechenland am Ende der Tabelle landeten.

Zudem nehmen die Forscher an, dass auch andere Themen, die langfristiges Denken und Handeln erfordern, wie etwa Umweltschutz und Innovationskraft, mit den gemessenen Zeitpräferenzen zusammenhängen könnten.

Literatur

Wang, M., Rieger, M.O. & Hens, T. (2016). How time preferences differ: Evidence from 53 countries [Abstract]. Journal of Economic Psychology, 52, 115–135.

9. Februar 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © John Raetz / pixelio.de


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