Die Kraft der Musik

Wie Musik Emotionen hervorbringt und Stimmungen verändert, zeigt die Überblicksarbeit eines Musikpsychologen der Freien Universität Berlin.

Der fröhliche Popsong, die traurige Ballade oder das aggressive Punk-Rock-Stück: Musik transportiert Emotionen – und trägt sie zum Zuhörer weiter. Welche Wirkung Musik auf dessen Gehirnaktivität hat, untersuchte die Überblicksarbeit eines Musikpsychologen des Exzellenzcluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin.
Für seinen Artikel wertete der Wissenschaftler insgesamt 21 neurowissenschaftliche Studien aus, in denen mit Hilfe bildgebender Verfahren gearbeitet worden war.
Es zeigte sich, dass das Hören von Musik tatsächlich dazu führte, dass sich die neuronale Aktivität in Gehirnregionen, die mit Emotionen in Verbindung stehen, veränderte: Bei den betroffenen Strukturen handelte es sich unter anderem um die Amygdala, den Hippocampus, den orbitofrontalen Kortex sowie weitere Regionen, die eine zentrale Rolle bei der Emotionsverarbeitung spielen. Waren diese Strukturen bei den untersuchten Personen geschädigt, fiel zudem deren emotionale Reaktion auf die Musik entsprechend schwächer aus. Die Reaktionen umfassten neben den subjektiven Empfindungen auch physiologische Veränderungen, Änderungen der Mimik oder den Wunsch zu klatschen, zu tanzen oder zu musizieren.
Inwieweit zwischen Alltagsemotionen und durch Musik hervorgebrachten Emotionen unterschieden werden müsse, sei nach Angaben des Forschers bisher noch unklar: Es gebe zahlreiche Überschneidungen zwischen den beiden, jedoch auch Unterschiede. Einige Emotionen würden öfter in der Musik als im alltäglichen Leben erlebt – etwa bewegt oder gerührt sein oder das Erleben von Spiritualität. Andere Emotionen wie Schuld und Scham spielten im Alltagsleben der Menschen oft eine Rolle, in der Musik jedoch praktisch nicht. Zudem gebe es paradoxe Effekte: Obwohl Traurigkeit von den meisten Menschen als unangenehm erlebt werde, habe traurige Musik eine tröstende Funktion.
Die Befunde des Berliner Psychologen bekräftigen musik-therapeutische Methoden, bei denen die Therapie von Patienten mit emotionalen, psychischen oder neurologischen Störungen durch Musik und Musizieren unterstützt wird.
Da die Erforschung dieser Methoden erst am Anfang steht, soll in weiteren Studien die Wirkung von Musiktherapie auf Personen mit Erkrankungen wie Alzheimer oder Depression untersucht werden.

Literatur
Koelsch, S. (2014). Brain correlates of music-evoked emotions. Nature Reviews Neuroscience, 15, 170-180.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © photosteve101 / flickr.com unter CC BY 2.0


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