Die lebensverlängernde Wirkung sozialer Aktivitäten

Nach Eintritt in den Ruhestand haben soziale Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf Langlebigkeit und Wohlbefinden. Dies schließen Psychologen aus einer aktuellen Studie.

Tanzkreis, Ehrenamt, Buchclub – obwohl sie aus dem Erwerbsleben ausgetreten sind, erklären Pensionäre oft, sie hätten vor lauter sozialen Verpflichtungen und Hobbys überhaupt keine Zeit. Dass das vielleicht auch ganz gut so ist, zeigt nun eine Studie von Psychologen der University of Queensland (Australien).

Längsschnittuntersuchung in England

Im Rahmen einer Längsschnittstudie erfassten die Forscher über einen Zeitraum von sechs Jahren die Lebensumstände, den Gesundheitszustand und die Zufriedenheit von Personen vor und nach ihrem Renteneintritt. Alle 424 Probanden der repräsentativen Stichprobe lebten in England und waren mindestens 50 Jahre alt. Zudem beobachteten die Wissenschaftler auch eine ebenso große Kontrollgruppe, die zwar bezüglich ihres Alters und ihrer Lebensumstände mit der Versuchsgruppe vergleichbar war, deren Mitglieder jedoch im untersuchten Zeitraum nicht aus dem Erwerbsleben ausschieden.

Mehr soziale Gruppen, geringere Mortalität

In den Ergebnissen zeigte sich, dass das Sterberisiko niedriger war, je mehr sozialen Gruppen eine Person in den ersten Rentenjahren angehörte. Pensionäre, die zum Beispiel vor dem Renteneintritt zwei sozialen Gruppen angehörten und diese Zugehörigkeit weitere sechs Jahre pflegten, hatten ein Sterberisiko von nur zwei Prozent. Verloren sie jedoch die Mitgliedschaft in einer Gruppe, stieg das Risiko in den darauffolgenden Jahren auf fünf Prozent. Brachen beide Gruppen weg, lag das Sterberisiko sogar bei 12 Prozent. Zudem berichteten Personen, die nach dem Renteneintritt den Kontakt zu sozialen Gruppen verloren hatten, von einer signifikant geringeren Lebensqualität.

Effekt vergleichbar mit sportlichem Training

Somit hatte das Aufrechterhalten der Mitgliedschaft in sozialen Gruppen einen genauso positiven Effekt auf das Sterberisiko wie regelmäßiges sportliches Training, das in der Untersuchung ebenso erfasst wurde. Die Vorteile einer Gruppenzugehörigkeit wurden dabei nicht von Faktoren wie Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status oder dem allgemeinen Gesundheitszustand eines Teilnehmers im Vorruhestand beeinflusst. Ein Vergleich mit der Kontrollgruppe zeigte zudem, dass die beobachteten Effekte spezifisch für den Lebensabschnitt der Pensionierung sind. Auf Grundlage dieser Ergebnisse weisen die Forscher darauf hin, wie wichtig gerade in dieser Phase des Umbruchs Pflege und Ausbau von sozialen Gruppen sind.

Literatur

Steffens, N.K., Cruwys, T., Haslam, C., Jetten, J. & Haslam S.A. (2016). Social group memberships in retirement are associated with reduced risk of premature death: Evidence from a longitudinal cohort study. BMJ Open, 6 (2), e010164.

3. März 2016
Quelle: Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Symbolfoto: © The University of Queensland


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