Die Nase denkt mit

Unser Geruchssinn beeinflusst, wie unser Gehirn Informationen über neuartige Objekte abspeichert. Zu diesem Schluss kamen Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum.

Wenn wir etwas Neues entdecken, nehmen wir die Informationen darüber möglichst mit allen Sinnen auf: Wir betrachten das unbekannte Objekt, betasten es, nehmen aber auch mögliche Geräusche, Gerüche oder den Geschmack war. Wie das Gehirn diese Eindrücke abspeichert, untersuchten nun Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum zusammen mit Kollegen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie konzentrierten sich dabei vor allem auf den Geruchssinn, da dieser im Vergleich zu anderen Sinnen bisher wenig erforscht ist.

Versuchsobjekte aus Kinderspielzeug


In ihrem Experiment bedienten sich die Forscher einer besonderen Methode: Mit Hilfe eines Konstruktionsspielzeugsystems für Kinder kreierten sie eigens neuartige Objekte. So stellten sie sicher, dass ihre Testpersonen auf keinen Fall Erfahrungen mit dem jeweiligen Gegenstand haben konnten. In einer Trainingsphase zeigten die Forscher den Probanden ihrer Versuchsgruppe verschiedene unbekannte Objekte und setzten gleichzeitig einen jeweils spezifischen Geruch frei. Die Vergleichsgruppe sah die gleichen Objekte – allerdings ohne den entsprechenden Duft. In der anschließenden Untersuchung im Magnetresonanztomografen (MRT) mussten die Versuchspersonen auf Bildern erkennen, ob es sich um ihnen bekannte oder unbekannte Objekte handelte. Die Wissenschaftler erfassten dabei, welche Regionen im Gehirn aktiv waren.

Hippocampus integriert verschiedene Sinneseindrücke

Es zeigte sich, dass in der Versuchsgruppe zwar keine höhere Aktivität im olfaktorischen Cortex gefunden werden konnte, dafür aber im rechten vorderen Hippocampus. Diese trat immer auf, wenn die Objekte mit einem Geruch verbunden waren. Die Forscher gehen daher davon aus, dass dieser Teil des Hippocampus involviert ist, wenn Erinnerungen an Gerüche verarbeitet werden. Zudem vermuten sie, dass in dieser Region auch die Informationen verschiedener Sinneseindrücke zusammengeführt werden. Ob dies nur für Sehen und Riechen gilt oder auch für andere Sinne, soll in weiteren Studien erforscht werden.

Literatur

Ghio, M., Schulze, P., Suchan, B. & Bellebaum, C. (2016). Neural representation of novel objects associated with olfactory experience [Abstract]. Behavioural Brain Research, 308, 143–151.

10. Mai 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Mila Supynska – Fotolia.com