Die neuronalen Grundlagen der Wankelmütigkeit

Entschlussfreudigkeit und Wankelmütigkeit zeigen sich auch im Gehirn. Dies wiesen Neurowissenschaftler der Universität Zürich in einer aktuellen Studie nach.

Zum Mittag einen Salat oder doch die Nudeln? Den Platz in der Sonne oder den im Schatten? Abends noch ins Konzert oder lieber auf die Couch? Täglich treffen wir unzählige kleine und große Entscheidungen. Doch während einige Menschen das problemlos meistern und ganz klar wissen, was sie mögen und wollen, grübeln andere selbst an vergleichsweise unwichtigen Punkten lange über die verschiedenen Alternativen nach. Neurowissenschaftler der Universität Zürich untersuchten in einer aktuellen Studie nun, inwiefern sich eine hohe oder geringe Entscheidungsfreudigkeit auch im Gehirn widerspiegelt.

Hirnstimulation im Experiment

Sie nutzten in ihrem Versuch die transkranielle Wechselstrom-Stimulation, ein nicht-invasives Verfahren, mit dessen Hilfe es möglich ist, koordinierte Schwingungen in der Aktivität bestimmter Hirnareale zu erzeugen, ohne dass Probanden die Stimulation bewusst bemerken. Die Forscher manipulierten mit dieser Technik nun den Informationsfluss zwischen dem präfrontalen und dem parietalen Kortex. Währenddessen hatten die Versuchspersonen die Aufgabe, rein sensorische oder aber präferenzbasierte Entscheidungen über Nahrungsmittel zu treffen, also Fragen zu beantworten wie „Was ist größer, eine Melone oder eine Kirsche?“ (sensorisch) oder „Was magst du lieber, Melone oder Kirsche?“ (präferenzbasiert).

Je intensiver der Informationsfluss, desto entscheidungsfreudiger

Es zeigte sich, dass die präferenzbasierten Entscheidungen weniger stabil waren, wenn der Informationsfluss zwischen dem präfrontalen und dem parietalen Kortex durch die Stimulation gestört wurde: Die Probanden wurden wankelmütiger. Für rein sensorische Entscheidungen fand sich kein vergleichbarer Effekt. Die Wissenschaftler folgern aus diesem Ergebnis, dass die Kommunikation zwischen den beiden betrachteten Hirnarealen nur dann relevant ist, wenn es um persönliche Präferenzen geht, nicht aber, wenn eine Entscheidung auf Grundlage objektiver Fakten getroffen werden kann.

Hilfe für Wankelmütige?

Im Experiment war es nicht gelungen, die Entscheidungen der Probanden durch eine Verstärkung des Informationsflusses stabiler zu machen. Allerdings handelte es sich bei den Teilnehmern ohnehin um junge und gesunde Menschen mit unauffälligen Entscheidungsmustern. In weiteren Versuchen wollen die Forscher ergründen, ob eine Stimulation Menschen helfen kann, die zum Beispiel in Folge einer Hirnerkrankung an hoher Impulsivität und wankelmütigen Entscheidungen leiden.

Literatur

Polanía, R., Moisa, M., Opitz, A., Grueschow, M. & Ruff, C.C. (in press). The precision of value-based choices depends causally on fronto-parietal phase coupling [Abstract]. Nature communications.

9. September 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © UZH


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