Die psychologischen Effekte der Mahlzeit

Nach einem gemeinsamen Essen lässt bei den Beteiligten die kognitive Kontrolle nach, fand eine Gruppe von Psychologen der Humboldt-Universität zu Berlin heraus.

Zusammen mit anderen zu essen, bedeutet mehr, als einfach nur den Hunger zu stillen. Eine gemeinsam eingenommene Mahlzeit schafft Raum für positive Interaktionen und kann helfen, das soziale Klima zu verbessern... So die allgemeine Annahme. Wissenschaftlich erforscht wurden die Effekte dieser Situation in der Vergangenheit allerdings noch nicht. Eine Forschergruppe vom Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin hat in Zusammenarbeit mit der Complutense Universität Madrid und der Universität Göttingen nun untersucht, welche kognitiven und emotionalen Prozesse durch gemeinsames Essen in Gang gesetzt werden.
Die insgesamt 32 Probandinnen nahmen im Rahmen der Untersuchung ihr Essen entweder alleine im Büro ein, oder sie gingen zusammen mit einer Freundin in ein Restaurant essen. Im Anschluss an die Mahlzeit wurde deren Wirkung auf die Wahrnehmung und die Emotionen der Versuchsteilnehmerinnen per Fragebogen, Elektroenzephalografie (EEG) und Reaktionszeitmessung untersucht.
Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass sich nach einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit die kognitive Kontrolle etwas verringerte: Die Teilnehmerinnen zeigten sich im Reaktionstest liberaler und nachlässiger und nahmen eigene Fehler weniger ernst. Zudem reagierten sie sensibler auf negative emotionale Gesichtsausdrücke, wie die Auswertung der EEG-Daten offenbarte. Die Probandinnen beschrieben sich nach einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit des Weiteren zwar nicht als besser gelaunt, aber als entspannter.
Dies seien nach Ansicht der Forscher gute Voraussetzungen, wenn es beispielsweise darum gehe, in konfliktreichen Situationen einen Konsens zu erzielen. Allerdings sei es im Hinblick auf Arbeitstellen, die hohe Aufmerksamkeit und Exaktheit erforderten, ein eher negativer Befund.
In weiteren Untersuchungen soll nun geklärt werden, inwiefern sich die Essenssituation beispielsweise auf Empathie und Kreativität auswirkt.

Literatur
Sommer, W., Stürmer, B., Shmuilovich, O., Martin-Loeches, M. & Schacht, A. (2013). How about lunch? Consequences of the meal context on cognition and emotion. PLOS ONE, e70314.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Food is Pride / Sherman Geronimo-Tan,
Shermeee / flickr.com unter CC BY 2.0

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