Die Vorteile der Verspieltheit

Psychologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gingen dem Phänomen der Verspieltheit im Erwachsenenalter auf den Grund.

Während ein gesunder Sinn für Humor von den Mitmenschen meist sehr geschätzt wird, ist Verspieltheit bei Erwachsenen – besonders im deutschen Sprachraum – eher negativ besetzt: Verspielte Menschen werden nicht ernst genommen oder als unzuverlässig eingeschätzt. Zu Unrecht, sagen nun Psychologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In mehreren Studien und Befragungen mit rund 3.000 Teilnehmern sind sie dem Phänomen auf den Grund gegangen – und zeichnen ein positives Bild verspielter Menschen.

Eigenständige Persönlichkeitskomponente


In den Analysen der Wissenschaftler zeigte sich, dass Verspieltheit sich nicht anhand der fünf großen Persönlichkeitsmerkmale – Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und emotionale Stabilität – beschreiben lässt, sondern eine eigenständige Komponente darstellt. Ebenso wenig ist Verspieltheit mit Humor gleichzusetzen.
Zudem wurde in der Studie deutlich, dass Menschen, die sich selbst als verspielt beschreiben, auch von anderen so eingeschätzt werden und ihre Neigung in vielen alltäglichen Situationen ausleben.

Grundtypen verspielter Menschen


Anhand ihrer Daten identifizierten die Forscher vier Grundtypen von verspielten Erwachsenen: So gibt es Menschen mit einer auf andere ausgerichteten Verspieltheit, die also gerne mit Freunden und Bekannten herumalbern. Leichtherzig verspielte Menschen hingegen betrachten das ganze Leben eher als ein Spiel. Eine weitere Kategorie bilden Menschen, die intellektuell verspielt sind, also gerne mit Ideen und Gedanken spielen. Extravagant Verspielte wiederum interessieren sich für seltsame und groteske Dinge und können sich über kleine Beobachtungen im Alltag amüsieren.

Verspieltheit positiv nutzen


Vorteile hätten verspielte Menschen nach Ansicht der Forscher etwa dadurch, dass sie gut im Beobachten seien und leichter neue Perspektiven einnähmen, um ungewöhnliche und neue Lösungen zu finden. Zudem seien sie in der Lage, monotone Aufgaben für sich interessant und unterhaltsam zu gestalten und so ihr eigenes Stresslevel zu senken.

Literatur
Proyer, René T. (2017). A new structural model for the study of adult playfulness: Assessment and exploration of an understudied individual differences variable [Abstract]. Personality and Individual Differences, 108, 113–122.

31. Januar 2017

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Miguel Constantin Montes – pexels.com