Diskriminierung im Fußball

Der Fußball ist eine Welt, in der Vorurteile und Diskriminierungen gepflegt und ausgelebt werden können, die in anderen Zusammenhängen absolut inakzeptabel wären. Wirklich „politisch korrekt“ wird der Profi-Fußball wohl nie werden, bilanziert Dr. Marion Müller, Soziologin an der Universität Bielefeld.

Der Fußball – vor allem im Bereich des Leistungssports – ist eine Welt, in der Vorurteile und Diskriminierungen gepflegt und ausgelebt werden können, die in anderen Zusammenhängen absolut inakzeptabel wären. Welche Bedeutung ethnische, nationale und geschlechtliche Differenzen im Profi-Fußball im Detail haben, untersuchte Dr. Marion Müller im Rahmen ihrer Dissertation. Sie begleitete dafür drei Vereine, führte Einzelinterviews und Gruppengespräche und beobachtete die Spiele und Trainings der Mannschaften. In einem Beitrag des Wissenschaftsmagazins „BI.research“ mit dem Schwerpunktthema Fußball erläutert sie wichtige Befunde aus ihrer Arbeit.
So sei sie zu dem Schluss gekommen, dass Fußball ein extrem leistungsorientierter Teilbereich unserer – ohnehin schon leistungsorientierten – Gesellschaft sei. Dabei gehe es vorrangig um körperliche Leistungen, was dazu führe, dass körperliche Merkmale – wie neben dem Körperbau unter anderem auch die Hautfarbe – übermäßig stark und als kausal mit der Leistungsfähigkeit verbunden wahrgenommen würden. Die ethnische Herkunft sei somit eine Kategorie, die oft Anwendung findet.
Zudem beleuchtet die Soziologin die althergebrachte Trennung der Geschlechter beim Fußball. Zurückzuführen sei diese darauf, dass Fußball im 19. Jahrhundert in England in Internaten und Universitäten gespielt worden – sie sei also vom Erziehungssystem herzuleiten. Als Erklärung für den noch heute wichtigen „Kampf der Nationen“ führt sie die Institutionalisierung des Sports allgemein an, die parallel zur Etablierung des Nationalstaates erfolgt sei.
Dr. Marion Müller resümiert, dass im Fußball zugeschriebene Merkmale eine große Rolle spielten. Besonders der Körper sei wichtig und nun einmal von Hautfarbe und Geschlecht schwer zu trennen. Kriterien, die in der Wirtschaft oder Wissenschaft automatisch eine geringere Rolle spielen.

Literatur
Müller, M. (2009). Fußball als Paradoxon der Moderne. Zur Bedeutung ethnischer, nationaler und geschlechtlicher Differenzen im Profifußball. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

Quelle: Universität Bielefeld