Effekte "geschlechtsneutraler" Erziehung

Kinder, die eine "geschlechtsneutrale" Vorschule besuchen, sind weniger anfällig für Geschlechtsstereotype. Die belegt eine Studie der Universität Uppsala (Schweden).

Eine Reihe schwedischer Vorschulen zieht derzeit die internationale Aufmerksamkeit auf sich: Sie haben sich auf ihre Fahnen geschrieben, Kinder "geschlechtsneutral" zu erziehen, also nach Möglichkeit zu vermeiden, einen Unterschied zwischen Kindern verschiedenen Geschlechts zu machen. In der pädagogischen Praxis sieht das etwa so aus, dass genderneutrale Pronomen genutzt werden und traditionell geschlechtsspezifische Verhaltensweisen nicht explizit gefördert werden.

Traditionell versus geschlechtsneutral

Trotz des internationalen Interesses gab es bisher jedoch keine Studie, die die Effekte dieser Form der Erziehung auf das Verhalten der Kinder untersuchte. Dies änderten nun Wissenschaftler der Universität Uppsala (Schweden): In ihrer Studie verglichen sie Kinder aus "geschlechtsneutralen" Vorschulen mit Kindern, die eine traditionelle Vorschule besuchten.

Weniger Vorurteile, weniger Ausgrenzung

Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder, die "geschlechtsneutral" erzogen wurden, zwar ebenso korrekt das Geschlecht eines anderen, ihnen unbekannten Kindes bestimmen konnten – und dies auch nicht seltener taten. Sie verbanden mit dieser Kategorisierung aber weniger stereotype Vorurteile. Zudem waren sie eher als andere Kinder geneigt, auch mit einem Kind des anderen Geschlechts zu spielen.

Einfluss familiärer Hintergrund

Die Forscher schränken in ihren Ausführungen ein, dass weitere Untersuchungen zum Thema nötig seien: Denn auch in Schweden sind "geschlechtsneutrale" Vorschulen noch eher selten und entsprechend klein war die Stichprobe der Studie. Für den Einfluss der geschlechtsneutralen Pädagogik spricht allerdings, dass die beobachteten Effekte auch dann bestehen blieben, wenn Familien, die sich bewusst und aus inhaltlichen Gründen für die jeweilige Schule entschieden hatten, aus der Stichprobe entfernt wurden.

Literatur
Shutts, K., Kenward, B., Falk, H., Ivegran, A. & Fawcett, C. (2017). Early preschool environments and gender: Effects of gender pedagogy in Sweden. Journal of Experimental Child Psychology, 162, 1–17.

20. Juni 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Trinity Kubassek – pexels.com


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