Einflussfaktoren auf die Risikobereitschaft im Alter

Ob Menschen auch im Alter Risiken eingehen, hängt von den äußeren Umständen ab. Dies zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

Mit dem Alter nimmt die Bereitschaft, ein körperliches, soziales, rechtliches oder finanzielles Risiko einzugehen, ab. Soweit das Ergebnis, zu dem Studien in westlichen Industrienationen kamen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung gingen nun zusammen mit Kollegen von der Universität Basel einen Schritt weiter und betrachteten den Zusammenhang zwischen Alter und Risikobereitschaft in 77 Ländern.

Daten des „World Values Survey“

Für ihre Studie analysierten die Forscher Daten des „World Values Survey“, einer internationalen Erhebung, die Wertevorstellungen und Anschauungen von Menschen aus der ganzen Welt zusammenführt. In dieser hatten die Befragten unter anderem angegeben, inwiefern sie zu abenteuerlichen und riskanten Aktivitäten neigten. Insgesamt 147.118 Antworten von Menschen im Alter von 15 bis 99 Jahren wurden schließlich analysiert.

Überraschende Unterschiede zwischen den Ländern

Tatsächlich nahm in den meisten Ländern die Neigung, im Alltag Risiken einzugehen, mit dem Alter ab. So zum Beispiel in Deutschland, Russland oder den USA. In diesen Ländern wiesen zudem Männer im Durchschnitt eine deutlich höhere Risikobereitschaft auf als Frauen. Allerdings gab es auch Länder, in denen sich die Risikobereitschaft im Alter nicht veränderte und zugleich weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestanden. Dazu zählten unter anderem Nigeria, Mali und Pakistan.

Einfluss von Armut und Not

Die Wissenschaftler verglichen nun zusätzlich die vorherrschenden Lebensumstände in den betreffenden Ländern: beispielsweise die wirtschaftliche und soziale Armut, die Mordrate, das Pro-Kopf-Einkommen oder auch die Einkommensungleichheit. Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Situation in einem Land und der Risikobereitschaft der dort lebenden Menschen: In Ländern mit großer Armut und schwierigen Lebensumständen blieb die Neigung, Risiken einzugehen, auch im Alter unverändert hoch.

Ein Grund dafür könne, nach Ansicht der Forscher sein, dass die Menschen in Ländern mit knappen Ressourcen stärker miteinander konkurrierten als Menschen in reichen und sozialen Ländern. Dies gelte für Männer wie Frauen gleichermaßen und erkläre die geringeren Geschlechterunterschiede. Die Ergebnisse seien ein weiterer Beleg dafür, dass für die Untersuchung von Phänomenen menschlicher Entwicklung das Zusammenspiel von Mensch und Umwelt berücksichtigt werden müsse.

Literatur

Mata, R., Josef, A.K. & Hertwig, R. (in press). Risk taking across the life span and around the globe. Psychological Science.

18. Januar 2016
Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Symbolfoto: © Annika Strupkus


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