Einsam mitten im Leben

Psychologen der Universitäten Köln und Chicago (USA) untersuchten, in welchen Lebensphasen sich Menschen als besonders einsam beschreiben.

Einsamkeit bezeichnet die negative Empfindung, von anderen Menschen getrennt zu sein, wobei dieses subjektive Gefühl nicht zwangsläufig mit physischem Alleinsein und tatsächlicher sozialer Isolation zusammenhängen muss. Einsamkeit ist unangenehm – und sie kann depressiv und körperlich krank machen. Gibt es Lebensphasen, in denen sich Menschen besonders einsam fühlen? Und welche Einflussfaktoren lassen sich ausmachen? Diesen Fragen gingen Psychologen der Universität zu Köln und der University of Chicago (USA) nach.

Risiko für Einsamkeit beschränkt sich nicht aufs Alter

Grundlage der Studie bildeten die Daten von insgesamt 16.132 Erwachsenen, die im Rahmen des repräsentativen sozioökonomischen Panels (SOEP) befragt worden waren.
Tatsächlich bestätigte sich in der Analyse das Stereotyp, dass Einsamkeit unter anderem ein Phänomen des hohen Alters ist: Befragungsteilnehmer ab ungefähr 80 Jahren beschrieben sich als besonders einsam. Allerdings zeigten sich in den Daten auch im jungen und mittleren Erwachsenenalter Phasen, in denen Einsamkeit stark ausgeprägt war: zum Beispiel in den frühen 30ern sowie in den 50ern.

Typische Einflussfaktoren für ältere Menschen

Bei der Betrachtung bekannter Risikofaktoren für Einsamkeit ergab sich wie erwartet, dass ein niedriges Einkommen, gesundheitliche Einschränkungen und eine geringe Häufigkeit sozialer Kontakte sich jeweils negativ auswirkten. Kontrollierten die Forscher diese Variablen, verschwand der starke Anstieg der Einsamkeit im hohen Alter. Dieser sei folglich durch das Fehlen eines Partners, seltenere Sozialkontakte, geringeres Einkommen sowie gesundheitliche Einschränkungen gut erklärbar.

Ungeklärte Ursachen der Einsamkeit Jüngerer

Der kurvige Verlauf im jungen und mittleren Erwachsenenalter blieb allerdings auch bei Kontrolle der bekannten Risikofaktoren bestehen. Die hohen Werte in jüngeren Jahren müssen also andere Ursachen zu haben. Nach diesen soll nun in weiteren Studien gesucht werden.

Literatur

Luhmann, M. & Hawkley, L.C. (in press). Age differences in loneliness from late adolescence to oldest old age [Abstract]. Developmental Psychology.

31. Mai 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Annika Strupkus


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