Entscheiden wie Lionel Messi

Fußballer, die ihren Fokus während des Spiels auf Erfolge ausrichten, treffen eher kreative, flexible und angemessene Entscheidungen als ihre Kollegen, die sich nur auf ihre Pflicht konzentrieren. Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln untersuchten das Entscheidungsverhalten im Fußball.

Gemäß der Theorie des regulatorischen Fokus (RFT) von E. Tory Higgins (1997) können Menschen ihre Ziele mit Hilfe zweier selbstregulativer Strategien erreichen: Entweder richten sie ihre Aufmerksamkeit auf das Erreichen von Idealen und Gewinnen und setzen so genannte Promotionsstrategien ein (Promotionsfokus). Oder sie konzentrieren sich auf die Erfüllung ihrer Verantwortlichkeiten und Pflichten sowie die Vermeidung von Verlusten und verwenden sogenannte Präventionsstrategien (Präventionsfokus). Dabei wird die Informationsverarbeitung einer Person durch ihren jeweiligen Fokus beeinflusst.

Wissenschaftler des Instituts für Kognitions- und Sportspielforschung der Deutschen Sporthochschule Köln untersuchten, wie sich Promotions- und Präventionsfokus auf Entscheidungen im Fußball auswirken. Im Rahmen ihres Versuchs erhielten 30 Profifußballer zunächst eine Knobelaufgabe, die einen Promotions- oder Präventionsfokus zur Folge haben sollte: Sie waren aufgefordert, eine Maus durch ein gezeichnetes Labyrinth zu führen – entweder mit dem Ziel, ein Stück Käse zu erreichen (Promotionsfokus) oder mit der Aufgabenstellung, einer Eule zu entkommen (Präventionsfokus). Im Anschluss sahen die Versuchspersonen kurze Videosequenzen aus Fußballspielen, die jeweils an einer entscheidenden Stelle unterbrochen wurden. Aufgabe der Probanden war es, möglichst viele nächste Spielzüge und Lösungen zu generieren.
Es zeigte sich, dass die Spieler, bei denen durch die Knobelaufgabe ein Promotionsfokus aktiviert worden war, nicht nur mehr angemessene Lösungen nannten, sondern auch mehr originelle und flexible Ansätze. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass diese Spieler offener für Neues waren und eher bereit, Risiken einzugehen.
Die Kölner Forscher betonen, dass ein Promotionsfokus nicht in jeder Situation die günstigste Strategie sein muss. Im Kontext des Fußballs scheint er jedoch von Vorteil zu sein. Da in früheren Studien gezeigt werden konnte, dass Personen auch eine generelle Neigung zu einem Promotions- oder Präventionsfokus aufweisen können, sollte es sogar möglich sein, zwischen gewissen Spielertypen zu unterscheiden.

Literatur
Higgins, E. T. (1997). Beyond pleasure and pain. American Psychologist, 52, 1280-1300.

Memmert, D., Hüttermann, S. & Orliczek, J. (accepted). Decide like Lionel Messi! The Impact of Regulatory Focus on Divergent Thinking in Sports. Journal of Applied Social Psychology.

 

Quelle: Deutsche Sporthochschule Köln

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