Erwartung lindert Schmerzen

Bereits die Erwartung einer Schmerzlinderung führt zu einer tatsächlichen Schmerzreduktion. Dies zeigten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Essen in einer aktuellen Studie.

In Deutschland leiden Schätzungen zufolge über 10 Millionen Menschen unter dauerhaft behandlungsbedürftigen Schmerzen. Körperliche Einschränkungen im Alltag, aber auch Beeinträchtigungen der Psyche und des sozialen und beruflichen Lebens sind die Folge. Forscher des Instituts für medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen untersuchten in einer aktuellen Studie nun, inwiefern bereits die Aussicht auf eine effektive Schmerzabnahme den Schmerz reduziert.
Im Rahmen eines Experiments erhielten 36 freiwillige, gesunde Versuchsteilnehmer viszerale – das heißt, die Eingeweide betreffende –, rektale Schmerzreize. Gleichzeitig wurde die Aktivierung einzelner Hirnregionen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie analysiert. Zudem erfolgte eine Placebo-Intervention durch die Instruktionen der Versuchsleiter: Den Probanden wurde die Wahrscheinlichkeit genannt, mit der sie ein schmerzlinderndes Medikament erhalten würden: null Prozent, 50 Prozent oder 100 Prozent.
Es zeigte sich, dass besonders die Versuchsteilnehmer, denen eine hohe Wahrscheinlichkeit genannt worden war, von einer effektiven und signifikanten Schmerzlinderung berichteten. Auch dann, wenn tatsächlich nur eine Kochsalzlösung als Placebo verabreicht worden war.
Zudem beobachteten die Wissenschaftler bei diesen Personen – insbesondere während der Schmerzantizipation – eine vermehrte Aktivität in präfrontalen kortikalen Hirnregionen, aber auch in somatosensorischen Arealen sowie dem Thalamus. Daher gehen die Forscher davon aus, dass die Reduktion der wahrgenommenen Schmerzintensität zentralnervös gesteuert wird. Diese Befunde bestätigen frühere Studien, die somatische Schmerzreize – wie zum Beispiel auf der Haut applizierte Hitzereize – eingesetzt hatten.
In weiteren Untersuchungen planen die Wissenschaftler die Analyse von Schmerzverarbeitung und Placeboeffekten bei Patienten, die unter chronischen Bauchschmerzen leiden.

Literatur

Elsenbruch, S., Kotsis, V., Benson, S., Rosenberger, C., Reidick, D., Schedlowski, M. et al. (2012). Neural mechanisms mediating the effects of expectation in visceral placebo analgesia: An fMRI study in healthy placebo responders and nonresponders. Pain, 153 (2), 382-390.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © sacks08 / flickr.com unter CC BY 2.0


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