Fleischkonsum aus Überzeugung

Eine international angelegte Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz untersuchte erstmals karnistische Überzeugungen.

Fragt man Menschen, aus welchen Gründen sie Fleisch essen, lautet häufig die Antwort, dass es einfach gut schmecke. Demgegenüber postuliert die Karnismus-Theorie der US-amerikanischen Sozialpsychologin Melanie Joy, dass es ein Überzeugungssystem gibt, das Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen, während andere als nicht essbar gelten, wie beispielsweise Haustiere. Diese sogenannten "karnistischen Überzeugungen" wurden nun erstmals empirisch untersucht – von Psychologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Kollegen der Cornell University und der University of Massachusetts.

Entwicklung des "Karnismus-Inventars"


Die Forscher entwickelten zunächst einen Fragebogen, das "Karnismus-Inventar", der zwischen zwei Arten von Überzeugungen unterscheidet: der Rechtfertigung des Fleischkonsums und der Dominanz des Menschen gegenüber Tieren. Abgefragt wird etwa, ob Menschen weiterhin Fleisch essen sollten, weil sie das schon seit Jahrtausenden tun und weil es besser für die Gesundheit ist, ob die Fleischproduktion dazu führt, dass Tiere leiden, oder auch, ob Menschen das Recht haben, Tiere zu töten.

Überzeugungen von Fleischkonsumenten


Das "Karnismus-Inventar" erwies sich in mehreren Befragungswellen als ein gutes Maß, um die Überzeugungen der Versuchsteilnehmer zu ermitteln: Die Ergebnisse zeigen, dass Fleischkonsum nicht nur reine Geschmackssache ist, sondern – ebenso wie die vegane oder vegetarische Ernährungsweise – auch mit Überzeugungen, also mit karnistischen Glaubenssätzen einhergeht, die das Töten und Essen von Tieren rechtfertigen.

Karnistische Rechtfertigung und Domination


Dabei wurde zudem deutlich, dass die karnistische Rechtfertigung das Essen von Fleisch legitimiert und in Zusammenhang mit der Höhe des Fleischkonsums steht. Hingegen legitimiert die karnistische Domination das Töten von Tieren für die Fleischproduktion und hängt damit zusammen, ob tatsächlich schon einmal ein Tier für die Fleischgewinnung getötet wurde. Karnistische Überzeugungen im Allgemeinen waren zudem mit eher konservativen gesellschaftspolitischen Ansichten und der Befürwortung sozialer Hierarchien korreliert.

Literatur
Monteiro, C.A., Pfeiler, T.M., Patterson, M.D. & Milburn, M.A. (2017). The Carnism Inventory: Measuring the ideology of eating animals [Abstract]. Appetite, 113, 51–62.

23. Mai 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Markus Spiske – Pexels.com


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