Frauen auf dem Sprung

Jungen Frauen stehen heute enorm unter Druck, schließen Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung aus den Ergebnissen ihrer aktuellen Studie.

Gut verdienen und finanzielle Unabhängigkeit, Erfolg und Selbstverwirklichung im Beruf, Kinder, Familie und gute Freunde – das alles wollen junge Frauen in Deutschland: Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung präsentierten die Ergebnisse der Studie „Frauen auf dem Sprung – das Update 2013“.
Die Wissenschaftler hatten in den Jahren 2007 und 2010 über 2.000 Frauen und Männer zwischen im Alter von 17 bis 19 beziehungsweise 27 bis 29 Jahren zu ihren Werten und Einstellungen persönlich interviewt. Zudem wurden im Jahr 2012 über 500 Personen ein drittes Mal befragt.
Es zeigte sich, dass der Wunsch, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, bei jungen Frauen ungebrochen hoch ist: 91 Prozent der befragten Frauen waren Erwerbsarbeit und ein eigenes Gehalt sehr wichtig. Auch wenn sie eine Familie gegründet und Kinder bekommen hatten, wichen sie nicht von ihren Werten und Einstellungen ab und erachteten Erwerbsarbeit als selbstverständlichen Teil ihres Lebens. Der Anteil der Frauen, denen Familie wichtiger war als die Arbeit, lag in der Studie bei unter fünf Prozent.
Und auch immer mehr junge Männer wollen eine Partnerin, die ökonomisch auf eigenen Beinen steht: Waren es im Jahr 2007 nur 54 Prozent, wünschen sich heute 76 Prozent der befragten Männer, dass ihre Partnerin „sich um den eigenen Unterhalt kümmert“.
Der Kinderwunsch der befragten Frauen war unverändert hoch: 93 Prozent der Frauen wünschten sich Nachwuchs. Allerdings beurteilten die jungen Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zurückhaltend. Obwohl sie im Jahr 2012 eher als im Jahr 2007 meinten, dass Unternehmen auf die Belange von Eltern eingingen, sahen sie mit Kindern ihre Chance auf eine Karriere dahinschwinden. 53 Prozent der Frauen stimmten 2012 der Aussage zu: „Wer Kinder hat, kann keine wirkliche Karriere machen.“ Im Jahr 2007 waren es nur 36 Prozent gewesen. Insbesondere die befragten Männer erlebten die Gesellschaft im Allgemeinen als kinderfeindlich. Generell deuten die Daten der Befragung darauf hin, dass die Familiengründung immer länger hinausgezögert wird.
Obwohl die von vielen erwartete Retraditionalisierung nicht zu beobachten sei, werde, den Forschern zufolge, aus den Befragungsdaten deutlich, dass die Frauen weiterhin die meiste Arbeit zu Hause leisteten. Besonders zeitintensive Arbeiten im Haushalt wie Putzen, Waschen und Kochen würden mehrheitlich von den Frauen übernommen. Und auch Pflege sowie Betreuung und Erziehung der Kinder seien meist Frauensache.
Die Wissenschaftler schließen aus ihren Ergebnissen, dass junge Frauen heute zunehmend unter Druck seien, um ihre Familie und ihre Ansprüche an den Beruf in Einklang zu bringen.

Literatur
Allmendinger, J., Haarbrücker, J. & Fliegner, F. (2013). Lebensentwürfe heute. Wie junge Frauen und Männer in Deutschland leben wollen. Kommentierte Ergebnisse der Befragung 2012. Discussion Paper des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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