Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert

Heute ist Weltfrauentag. Dieser Tag steht seit über 100 Jahren für die Rechte und Gleichberechtigung der Frau. In Führungspositionen sind Frauen jedoch immer noch unterrepräsentiert, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die Diskussionen um die Gleichstellung von Mann und Frau dauern an – zum Beispiel im Hinblick auf Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern, aber auch bezüglich der Frauenquote in Spitzengremien. Pünktlich zum Weltfrauentag veröffentlichte nun die Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg die Ergebnisse einer Studie, die sich mit der Repräsentation von Frauen in den Führungspositionen öffentlicher Unternehmen befasste.
Die Wissenschaftler analysierten im Rahmen einer repräsentativen Erhebung die Internetseiten von 449 öffentlichen Unternehmen aller Landeshauptstädte, des Bundes und der Bundesländer. Aus der Auswertung dieser Daten geht hervor, dass die von der Politik formulierten Zielmarken nach wie vor eindeutig nicht erreicht wurden: Der städteübergreifende Gesamtanteil von Frauen in den Geschäftsleitungen hat sich seit dem Jahr 2007 lediglich von 11,6 Prozent auf 14,9 Prozent in 2012 erhöht. Dabei bestanden beträchtliche Unterschiede zwischen den Städten und den Bundesländern sowie auch zwischen verschiedenen Branchen: Der Anteil der Frauen in Spitzenpositionen divergierte zwischen 30 Prozent und null Prozent. In den Aufsichtsräten der Städte lag die Gesamtrepräsentation bei 26,9 Prozent; bei den Bundesländern war sie mit 17,4 Prozent deutlich niedriger. Übergreifend sei aus den Daten keine verstärkte Berufung von Frauen zu erkennen, folgern die Wissenschaftler. Da öffentlichen Unternehmen vielfach eine gesellschaftspolitische Vorbildfunktion zugewiesen wird, erscheinen diese Ergebnisse durchaus als bedenklich.
Aus welchen Gründen Frauen in Spitzenpositionen unterrepräsentiert sind, wurde und wird vielfach wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse des Projekts „Führungsmotivation im Geschlechtervergleich“ der Helmut-Schmidt-Universität hatten beispielsweise gezeigt, dass junge Frauen im Gegensatz zu jungen Männern seltener Führungspositionen anstrebten – trotz eines grundsätzlich höheren Leistungspotenzials. Zudem fanden Bonner Wissenschaftler des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Jahr 2010 heraus, dass Frauen im Wettbewerb um die Besetzung von Führungspositionen ihre eigene Leistung im Durchschnitt geringer einschätzten als Männer, was maßgeblichen Einfluss auf die (verringerten) Aufstiegschancen habe.
Es scheint, als sollte der Weltfrauentag auch Anlass sein, nicht nur die Rechte der Frauen, sondern auch ihr Selbstbewusstsein im beruflichen Kontext zu stärken.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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