Frauen sind zu selbstkritisch

Frauen bewerten sich im Berufsleben zu kritisch. Diesen Schluss ziehen Forscher der Internationalen Hochschule Bad Honnef Bonn aus einer Studie mit mehr als 1.000 Personen.

Trotz formal gleicher Qualifikation verdienen Frauen heute immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen, die die gleiche Tätigkeit ausüben. Auch sind sie weiterhin in Führungspositionen unterrepräsentiert. Frauenförderprogramme und Frauenquoten sollen helfen, den sogenannten „Gendergap“ im beruflichen Bereich zu schließen. Ein weiterer Ansatzpunkt könnte es möglicherweise sein, die Einschätzung der eigenen Kompetenzen zu überdenken. Diesen Schluss lässt jedenfalls eine Studie von Forschern der Internationalen Hochschule Bad Honnef Bonn zu.

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Sie hatten branchenübergreifend die beruflichen Kompetenzen von Mitarbeitern in verschiedenen Funktionen erfasst. Dabei ließen sie nicht nur die Mitarbeiter selbst einschätzen, wie kompetent sie in bestimmten Bereichen waren, sondern befragten auch die direkten Kollegen und Vorgesetzten.

Selbstkritik und Selbstüberschätzung

Es zeigte sich, dass sowohl Männer als auch Frauen grundsätzlich zur Selbstkritik neigten. Allerdings war diese Neigung bei Frauen deutlich höher. Sie bewerteten ihre Stärken selbst weit niedriger als ihr direktes Umfeld diese einschätzte. Besonders in Bereichen, die extravertiertes und strategisches Verhalten erfordern, wie etwa Verhandlung, Verkauf oder Gesprächsführung, waren sie viel selbstkritischer als ihre männlichen Kollegen. Männliche Teilnehmer neigten hingegen in kommunikativen Bereichen, wie beispielsweise Einfühlungsvermögen oder Kundensorientierung, zur leichten Selbstüberschätzung.

Einbußen in Gehalt und Karriere

Die Wissenschaftler betonen, dass die unbegründete Selbstkritik auf dem Karriereweg durchaus hinderlich sein könne: So sei es wahrscheinlich, dass sich Frauen aufgrund ihrer vermeintlich geringeren Kompetenzen bei Gehaltsverhandlungen oder bei der Bewerbung um Führungspositionen stärker zurücknähmen als ihre männlichen Kollegen.

9. August 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Ina Jungbluth


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