Frauen streben seltener nach Führungspositionen

Trotz ihres grundsätzlich höheren Leistungspotenzials streben junge Frauen im Gegensatz zu jungen Männern seltener Führungspositionen an. Das ist eines der Ergebnisse des Projekts „Führungsmotivation im Geschlechtervergleich“ der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.

Im Rahmen des kürzlich abgeschlossenen Projekts untersuchte ein Team von Organisationspsychologen zwei Jahre lang die Rolle der Führungsmotivation für das Erreichen von Führungspositionen.
Sie kamen zu dem Schluss, dass eine hohe Führungsmotivation für den Karriereerfolg hochrelevant ist und sich positiv auf die Karrierewege beider Geschlechter auswirkt. In einer Teiluntersuchung mit rund 170 Angestellten zeigte sich, dass eine hohe Führungsmotivation mit deutlich mehr Gehaltserhöhungen und Beförderungen einhergeht. Personen hingegen, die sich den Anforderungen einer Führungsposition nicht gewachsen fühlten, erhielten seltener Gehaltserhöhungen und weniger Beförderungen.
Zudem konnten die Forscher Geschlechtsunterschiede feststellen: Bei den befragten Frauen hing eine hohe Führungsmotivation eher mit Gehaltserhöhungen zusammen, bei den Männern mit der Anzahl der Beförderungen und somit einem zunehmenden Einfluss im Unternehmen. Des Weiteren hatten Männer gleicher Hierarchieebene eine höhere Anzahl von Mitarbeitern als ihre Kolleginnen. 
In einer weiteren Untersuchung befragten die Hamburger Psychologen über 700 Studierende geisteswissenschaftlicher Fächer. Es zeigte sich, dass die weiblichen Studierenden zwar im Schnitt die besseren Abiturabschlussnoten vorweisen konnten, jedoch ihre Motivation, Führungsverantwortung zu übernehmen, deutlich geringer ausgeprägt war als bei ihren männlichen Kollegen. Nur bei den befragten Männern gingen gute Abiturnoten auch mit einer hohen Führungsmotivation einher. 
Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass ein erheblicher Teil der Frauen in einer entscheidenden Vorphase ihres beruflichen Einstiegs trotz besserer Leistungsvoraussetzungen weniger Ambitionen in Bezug auf Führung haben, ihr Potenzial also nicht ausschöpfen. Sie nehmen an, dass Frauen eher eine ambivalente Haltung gegenüber Führung aufweisen, was sie daran hindert, sich zielorientierter und offensiver zu verhalten. 
In einer weiteren Studie planen die Psychologen die Befragung von Frauen in hohen Führungspositionen, um so spezifische Motivationshindernisse weiter zu explorieren. 

Literatur
Elprana, G., Stiehl, S., Gatzka, M. & Felfe, J. (in press). Gender differences in motivation to lead in Germany. In: C. Quaiser-Pohl & M. Endepohls-Ulpe (Hrsg.), Women’s choices in Europe. Influence of gender on education, occupational career and family development. Münster, New York, München, Berlin: Waxmann Verlag.

Felfe, J. & Gatzka, M. (2012). Führungsmotivation. In: W. Sarges (Hrsg.), Managementdiagnostik. Göttingen: Hogrefe.

 

 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft