Fußball als Religion?

Im Lieblingssport der Deutschen gibt es viele Parallelen zum Glauben, zu Gott und zur Religion, ist der Religionspsychologe Constantin Klein von der Universität Bielefeld überzeugt.

Pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft 2012 erschien kürzlich eine „Fußball-Bibel“, der Begriff „heiliger Rasen“ klingt durchaus vertraut, und mehr als ein Sportler wurde schon als „Fußball-Gott“ bezeichnet. Unter anderem Toni Turek, der das „Wunder von Bern“ möglich machte… Nicht verwunderlich also, dass sich ein Religionspsychologe der Universität Bielefeld in seiner Forschung mit der Frage beschäftigt: Ist Fußball eine Religion?
In einem Beitrag des Wissenschaftsmagazins „BI.research“ mit dem Schwerpunktthema Fußball erläutert Constantin Klein wichtige theoretische Perspektiven und Forschungsbefunde zum Thema Religion und Fußball.
So ist Religiosität, Klein zufolge, im Fußball sowohl explizit als auch implizit zu finden. Wenn Sportler vor dem Spiel demonstrativ beten oder sich bekreuzigen, um sich der göttlichen Unterstützung zu versichern, sei das eine explizite Form der Religiosität im Fußball. Implizite Bezüge fänden sich hingegen zum Beispiel in der Sprache, mit der Ereignisse beschrieben werden: "Die Fans pilgern ins Stadion zum heiligen Rasen, um ihren Idolen zu huldigen."
Klein zieht des Weiteren Parallelen zwischen der Liturgie beim Gottesdienst und Zeremonien beim Fußball, zwischen Fußball-Hymnen und Gospel-Songs. Auch bezüglich der Ikonologie im Fußball und in der Religion fänden sich Ähnlichkeiten. Zudem stellt Klein in amüsanten Beispielen dar, wie nah sich Fußball als profaner Lebensbereich und Geistlichkeit in anderen Kulturen und Religionen sind. 

Literatur
Schulze, S.: Die heilige Zeit der Sportschau. Constantin Klein analysiert Fußball mit Religionstheorien. BI.research, S. 43-47.


Quelle: Universität Bielefeld