Gegen Ängste im Alter

Psychologen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg begleiten die Entwicklung eines intelligenten Hausnotrufsystems.

[28.01.2014] Die deutsche Gesellschaft altert. Neben den von vielen Seiten prophezeiten Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Wirtschaft, wird die Bevölkerungsentwicklung auch Folgen für den sozialen Bereich haben. Bislang lebt die große Mehrheit der Senioren bis ins hohe Alter in privaten Haushalten. Oft allein, denn zunehmende Mobilität und Kindermangel schwächen die soziale Funktion der Familie. Noch gibt es keine Lösung für das Problem, wie in Zukunft immer weniger junge Menschen immer mehr alte versorgen könnten.
An diesem Punkt setzt das von Psychologen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg begleitete Projekt FEARLESS an. Der Name steht für Fear Elimination as Resolution for Loosing Elderly's Substantial Sorrows. Dahinter steht die Idee, dass durch gezielten und umsichtigen Einsatz von Technik die Ängste im Alter effektiv reduziert werden können.
Herauszufinden, welche genau das sind, war Aufgabe der Bamberger Psychologen. Zu diesem Zweck befragten die Wissenschaftler unter anderem professionelles Pflegepersonal. Des Weiteren kamen auch 259 ältere Menschen und 215 Bezugspersonen aus Deutschland, Österreich, Spanien und Italien zu Wort und berichteten über von ihnen besonders gefürchtete Situationen.
Es zeigte sich, dass unter den allein lebenden Senioren vor allem die Angst vor Stürzen sehr verbreitet ist, davor, im Notfall nicht mehr rechtzeitig um Hilfe rufen zu können und nicht gefunden zu werden.
Mit Hilfe der Befragungsdaten entwickelten die Bamberger Psychologen schließlich spezielle Anforderungsanalysen für ein intelligentes Hausnotrufsystem. Anders als bei herkömmlichen Notrufsystemen soll bei diesem nicht der sogenannte Panikknopf, den ältere Menschen im Notfall drücken müssen, im Mittelpunkt stehen. Stattdessen umfasst das System eine Reihe von Sensoren, die in der Wohnung installiert werden und ungewöhnliche Bewegungsmuster wie Stürze registrieren und somit Gefahrensituationen automatisch erkennen.
Die technische Umsetzung des Notrufsystems liegt nun in den Händen der weiteren Projektpartner aus Medizin, Technik und Pflegepersonal. Bis zum Sommer 2014 soll das System vertriebsbereit sein und europaweit angeboten werden.
Die Wissenschaftler erhoffen sich, mit ihrer Neuentwicklung alten Menschen dabei zu helfen, möglichst lange selbständig in den eigenen vier Wänden leben zu können – ohne jedoch zu stark in das Lebensumfeld einzugreifen. FEARLESS solle dazu beitragen, das Wohlbefinden, die Mobilität und die soziale Teilhabe von älteren Menschen zu verbessern.

 

Weiterführende Links
Informationen zum Projekt "fearless"
BDP-Bericht "Inklusion, Integration, Partizipation" (pdf)

Quelle: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Foto © Rest / Alessandro Bonvini, AleBonvini / flickr.com unter CC BY 2.0

 

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