Gehen ältere Menschen weniger Risiken ein?

Ob und wie sich die Risikobereitschaft über die Lebenspanne hinweg ändert, hängt auch davon ab, wie genau diese gemessen wird. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Universität Basel.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Bereitschaft, ein körperliches, soziales, rechtliches oder finanzielles Risiko einzugehen, ab. Davon ging man zumindest bisher aus. Kognitionswissenschaftler der Universität Basel hinterfragten in ihren Studien nun die in der Forschung eingesetzten Messinstrumente – und kamen zu etwas differenzierteren Ergebnissen. In einer ersten Untersuchung sammelten die Forscher Daten zur Selbsteinschätzung und zum Risikoverhalten von mehr als 900 Probanden im Alter von 18 bis 90 Jahren. Eine zweite Studie verglich mittels Magnetresonanztomographie (MRT) die Gehirnfunktion 26 jüngerer und 27 älterer Erwachsener beim Lösen von Risikoaufgaben.

Selbsteinschätzung und Verhalten stimmen nicht überein


Die Ergebnisse der ersten Studie belegten, dass die auf eigenen Einschätzungen beruhende Risikobereitschaft in der Tat über die Lebenspanne hinweg abnahm. In den unterschiedlichen Risikoaufgaben zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Ging es um konkretes Verhalten, konnte je nach Art der Aufgabe mit steigendem Alter sowohl eine abnehmende als auch eine unveränderte oder sogar eine leicht erhöhte Risikobereitschaft beobachtet werden.

Neurologische Grundlagen der Entscheidungsfindung


Die zweite Studie lieferte eine mögliche Erklärung für diese heterogenen Befunde. Die Forscher stellten fest, dass bei den älteren Probanden zwar nicht die Verarbeitung von Risiko, Gewinn oder Verlust per se verändert war, wohl aber deren Integration in eine Entscheidung. Dies stand im Einklang mit dem Befund der ersten Untersuchung, dass ältere Teilnehmer auf eine zunehmende Komplexität der Aufgaben mit einer geringeren Risikobereitschaft reagierten.

Altersgerechte Aufbereitung

Zusammenfassend betonen die Forscher, dass sich nicht pauschal bestimmen lasse, ob ältere Menschen weniger Risiken eingehen als jüngere. Verschiedene Messinstrumente führten zu unterschiedlichen Risikoprofilen. Ausgehend von der Annahme, dass die Risikobereitschaft von der Komplexität der Aufgabenstellung abhängt, empfehlen die Wissenschaftler, relevante Informationen altersgerecht zu strukturieren und zu kommunizieren. Denn insbesondere bei so wichtigen Entscheidungen, wie etwa finanziellen oder gesundheitsbezogenen, sei die Verarbeitung und Integration größerer Informationsmengen von Bedeutung.

Literatur


Mamerow, L., Frey, R. & Mata, R. (in press). Risk taking across the life span: A comparison of self-report and behavioral measures of risk taking [Abstract]. Psychology and Aging.

Yu, J., Mamerow, L., Lei, X., Fang, L. & Mata, R. (2016). Altered value coding in the ventromedial prefrontal cortex in healthy older adults. Frontiers in Aging Neuroscience, 8 (210).

27. Oktober 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © pexels.com


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