Gemeinsam meditieren gegen Einsamkeit

Eine neue Form der Meditation steigert die soziale Verbundenheit und reduziert das Gefühl von Einsamkeit, zeigen Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft.

Das Gefühl von Einsamkeit belastet Menschen nicht nur psychisch, es kann sogar körperlich krank machen. Meditation, die traditionell allein im Stillen praktiziert wird, scheint nicht gerade das richtige Mittel zu sein, um Betroffenen das Gefühl größerer sozialer Verbundenheit zu vermitteln. Mit der sogenannten „kontemplativen Dyade“ entwickelten und erprobten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften nun eine neue Technik des lauten Meditierens, die aber tatsächlich einen positiven Einfluss auf Gefühle der Einsamkeit haben kann.

Meditation im hochkonzentrierten Dialog

Das laute Meditieren besteht in hochkonzentrierten Dialogen, die von Angesicht zu Angesicht oder über eine spezielle Smartphone-App praktiziert werden. Eine Person berichtet ausführlich von einer unangenehmen Situation, die sie am Tag zuvor erlebt hat, und den damit verbundenen körperlichen Empfindungen. Anschließend schildert sie eine aktuelle Erfahrung, für die sie besonders dankbar ist. Der Partner hört währenddessen aufmerksam zu, ohne das Gesagte durch Worte oder Mimik zu kommentieren. Anschließend werden die Rollen getauscht.

Training mit wechselnden Partnern


Im Rahmen des ReSource-Projekts untersuchten die Wissenschaftler über einen Zeitraum von sechs Monaten die Auswirkungen des mentalen Trainings auf das Wohlbefinden und die sozialen, emotionalen und geistigen Fähigkeiten.
Tatsächlich berichteten die Teilnehmer, die einander vor den Trainings nicht kannten, dass sie sich ihrem Gegenüber nach der gemeinsamen zehnminütigen Übung deutlich näher fühlten als zuvor. Im Verlauf der Studie teilten sie so zunehmend persönlichere Gedanken und Gefühle – obwohl der Dialogpartner jede Woche aufs Neue wechselte.

Mehr soziale Nähe zu anderen Menschen


Die Forscher schließen daraus, dass sich die Teilnehmer nicht nur ihrem direkten Partner innerhalb der Dyade näher fühlten, sondern den Menschen im Allgemeinen. Aus früheren Studien ist bekannt, dass die wahrgenommene Verbundenheit zu den Mitmenschen wiederum dazu beiträgt, dass Menschen ein längeres, gesünderes und vor allem glücklicheres Leben führen.
In weiteren Studien soll untersucht werden, ob auch Menschen mit psychischen Problemen, die besonders häufig unter Einsamkeit und sozialen Defiziten leiden, von der Methode profitieren können.

Literatur

Kok, B.E. & Singer, T. (in press). Effects of contemplative dyads on engagement and perceived social connectedness over 9 months of mental training. A randomized clinical trial [Abstract]. JAMA Psychiatry.

9. Februar 2017

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
Symbolfoto: © MPI f. Kognitions- und Neurowissenschaften


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