Gemeinsames Bücherlesen macht fit für die Schule

Kinder profitieren vom regelmäßigen gemeinsamen Bücherlesen mit Erwachsenen gleich mehrfach. Dies zeigten Psychologen der Technischen Universität Kaiserslautern.

Lesen und schreiben zu können ist eine Voraussetzung für Bildung und eine wichtige Grundlage für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Für viele Kinder beginnt der Erwerb der Schriftsprache erst in der Schule; sie haben, wenn sie in die erste Klasse kommen, nur wenig oder gar kein Wissen über Buchstaben. Inwiefern können Eltern durch das gemeinsame Lesen von Büchern dazu beitragen, dass Kinder auch schon im Vorschulalter eine größere Vertrautheit mit Buchstaben entwickeln? Dieser Frage gingen Psychologen der Technischen Universität Kaiserslautern in einer aktuellen Studie nach.

Leihbücherei und interaktives Vorlesen


In einer Kita-Gruppe richtete das Team eine Leihbücherei ein, aus der sich jedes Kind einmal pro Woche ein Buch aussuchen und mit nach Hause nehmen konnte. Die Eltern wurden gebeten, die Bücher zuhause gemeinsam mit ihren Kindern zu lesen. In einer zweiten, vergleichbaren Kita erlernten die Erzieher die Technik des Dialogischen Vorlesens: Bei diesem passt sich der Vorleser dem Sprachniveau des Kindes an, ermuntert es, die Geschichte aktiv mit zu erzählen und gibt gezielt Rückmeldungen. In einer dritten Kita-Gruppe setzte das Forscherteam sowohl die Leihbücherei als auch das Interaktionstraining um. Eine vierte Gruppe diente als Kontrollgruppe.

Gemeinsames Lesen fördert Vertrautheit mit Buchstaben

Aus den vier Kindertagesstätten nahmen insgesamt 69 Kinder zwischen drei und fünf Jahren an der Untersuchung teil. Das Forscherteam bestimmte für alle Kinder mit Hilfe von Tests deren aktiven Wortschatz und Vertrautheit mit Buchstaben vor und nach den jeweiligen Maßnahmen im Abstand von sechs Monaten.
Es zeigte sich, dass sich der Wortschatz der Kinder in allen drei Gruppen mit Vorlese-Maßnahmen im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich stärker erweiterte. Damit konnten Ergebnisse früherer Studien bestätigt werden, die positive Effekte des Vorlesens auf die Sprachentwicklung zeigen. Zudem waren die Kinder der drei Interventionsgruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe auch deutlich vertrauter mit Buchstaben.

Erfolg durch Kita-Leihbüchereien

Damit konnte gezeigt werden, dass regelmäßiges individuelles Vorlesen die Entwicklung von Vorläuferfertigkeiten für den Schriftspracherwerb fördert – und zwar auch ohne spezielle Anleitung. In diesem Sinne sehen die Forscher vor allem die Kita-Leihbücherei als eine wenig aufwändige, aber erfolgreiche Methode an: Die Möglichkeit, sich regelmäßig altersgerechte Bücher ausleihen zu können, kam bei Eltern und Kindern gut an. Bei den Kindern schien das generelle Interesse an Büchern zu steigen. Und dadurch, dass die Wissenschaftler die bereitgestellten Bücher optimal an den Entwicklungsstand der Kinder anpassten, stieg nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der gelesenen Bücher.

Literatur
Wesseling, P.B.C., Christmann, C.A. & Lachmann, T. (2017). Shared book reading promotes not only language development, but also grapheme awareness in German kindergarten children. Frontiers in Psychology, 8 (364).

11. April 2017
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Symbolfoto: © kolinko_tanya – Fotolia.com

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