Genauso mobil und karriereorientiert wie der Partner?

Zwei Studien der Universität Hohenheim erforschten, wie private Faktoren berufliche Entscheidungen beeinflussen.

Was will ich in meinem Job erreichen? Wie mobil und flexibel will ich sein? Diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten. Doch natürlich passiert das nicht im luftleeren Raum: Familie, soziales Netzwerk und private Interessen spielen auch bei beruflichen Entscheidungen eine Rolle. Zwei Studien der Universität Hohenheim befassten sich nun mit der Frage, inwiefern Einstellungen und Erwartungen des Lebenspartners Einfluss auf Karriereorientierung und Mobilitätsbereitschaft haben.

Befragung von Mitarbeitern und Führungskräften


Für ihre Untersuchung befragten die Forscher rund 1.300 Fach- und Führungskräfte. Zudem bestand die Möglichkeit, dass auch die jeweiligen Lebenspartner an der Studie teilnahmen. Davon machten über 200 Personen Gebrauch. So war es möglich zu überprüfen, inwieweit die Wahrnehmung der Mitarbeiter bezüglich der Erwartungen und Einstellungen ihrer Partner mit deren eigenen Angaben übereinstimmen.

Eigene Karriereerwartungen erhöhen Erfolgsdruck auf Partner


Es zeigte sich: Je karriereorientierter eine Person ihren Partner wahrnahm, desto stärker fühlte sie sich unter Druck gesetzt, ebenfalls Karriere zu machen. Und tatsächlich galt umgekehrt: Je stärker sich eine Person an Karriere ausrichtete, desto eher erwartete sie ein solches Verhalten auch vom Lebenspartner. Dies galt für Frauen ebenso wie für Männer.

Traditionelles Versorgungsdenken


Der Druck, beruflich erfolgreich zu sein, stieg auch, wenn die Einstellung des Partners als materialistischer wahrgenommen wurde. Dieser Zusammenhang war für männliche Mitarbeiter allerdings stärker als für weibliche. Umgekehrt bestätigte sich durch die Partnerbefragung: Je materialistischer der Partner sich selbst einschätzte, desto höher war dessen Erwartung an den beruflichen Erfolg des anderen. Dieser Zusammenhang galt für weibliche Partner stärker als für männliche. Als Ursache hinter diesen Geschlechtseffekten vermuten die Forscher das nach wie vor präsente klassische Rollenverständnis.

Bereitschaft zum Standortwechsel hängt von Mobilität des Partners ab


Auch bezüglich der Mobilitätsentscheidungen ließen sich geschlechtsspezifische Unterschiede feststellen: Für Mitarbeiterinnen war der Einfluss der wahrgenommenen Jobalternativen des Partners deutlich stärker als für männliche Mitarbeiter. Das heißt, für sie war die Frage, wie die Arbeitsmöglichkeiten ihres Partners am potenziellen zukünftigen Wohnort aussahen, deutlich wichtiger.

Empfehlungen für Unternehmen


Karriere- und Umzugsentscheidungen, so folgern die Forscher, hängen immer stärker vom eigenen sozialen Umfeld und der beruflichen Entwicklung und Mobilität des Partners ab. Entsprechend sollte dieser frühzeitig in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Zudem empfehle sich eine Unterstützung der beruflichen Mobilität des Lebenspartners, etwa durch Dual-Career-Programme. Weil Karriere immer noch mit einer Führungslaufbahn gleichgesetzt werde, sollten Unternehmen des Weiteren verstärkt die Expertenlaufbahn als adäquate Alternative organisatorisch verankern.

8. November 2016

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © .shock – Fotolia.com


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